Bildungsnotstand

Auszubildende, copyright nixzen

Alle Augen richten sich beim Thema Bildungsnotstand auf die Politik. Aber sind es tatsächlich die Politiker, welche ihn in den  letzten Jahrzehnten herbeigeführt haben? Ich denke der Grund liegt in der gesamtgesellschaftlichen Denkweise. Wir haben bei all der Leistung, die wir in den letzten Jahren erbracht haben, nur auf dieses Prinzip, das Leistungsprinzip gesetzt. Nach dem Motto: Nur die Besten kommen weiter.

In den 70er und frühen 80er Jahren gab es erfolgversprechende Reformbewegungen, es gab eine Hochphase der Vereinsgründungen und neuen Gesellschafts – und Geschäftsideen, damals hießen sie nur nicht „start ups“. Sie waren nicht unbedingt dem absoluten Gewinn und Wachstum verschrieben, sondern es stand die Idee im Vordergrund. In den 90ern, in denen man keine Party ohne Aktientalk überstehen konnte, war nur noch vom Geld und Wachstum die Rede. Dieser Geist übertrug sich auf die Bildung. Es ging nur um gute Ergebnisse, Noten und Titel. Je mehr Bildschirme eine Bildungseinrichtung hatte, desto moderner erschien sie. Computer eroberten sogar einige Kindergärten. Werkräume, Theaterwerkstätten, Musikausstattungen wurden für neue Computerräume geopfert. Die schulische und studentische Welt entwickelte sich im wahrsten Sinne des Wortes zur Power Point Präsentation. Universitäre Wissenschaft wurde der boomenden Wirtschaft geopfert. Die Reformgedanken der 70er,80er Jahre als alternativer Quatsch abgetan. Die Politik setzte nur das um, was gesellschaftlicher Konsens war.

Das Lebensziel=viel Geld und Jeder gegen Jeden.

Eine neue, dynamische Generation von jungen Managern/Innen in den mittleren Etagen der Firmen versuchte nur keine Fehler zu machen, nicht aufzufallen und keine neuen Ideen zu produzieren. Die Kinder dieser Generation mussten sich ihren jungen Eltern anpassen. Sie mussten dem Design des Autos, des Handys, der Wohnung, des Urlaubs, der Schichten Zugehörigkeit entsprechen. Dieser Zeitgeist machte vor Schulen und Unis nicht halt. Die Gesellschaft teilte sich in immer mehr Schichten auf und Eltern fingen an darauf zu achten mit wem ihre Kinder spielten. Mit den 90gern begann auch der „Kinderfahrdienst“, Geigenunterricht, Judo, Fußball, Ballett u.s.w.. Jeder gegen Jeden bedeutete sich abzusichern, ob durch Versicherungen oder durch gesellschaftliche Abgrenzung. Die Wirtschaft gab das Credo raus “Bist du nicht für mich, so bist du gegen mich“, wer leichte Kritik am System äußerte war halt links. Die deutsche Gesellschaft hat sich ihr Bildungssystem selbst erschaffen, genau so gut kann sie es auch wieder ändern.

Die Wirtschaft muss lernen das sie den Menschen dient, nicht umgekehrt.

Bildung benötigt hauptsächlich Freiraum, Phantasie und Kreativität, das sind die ersten Dinge, die wir ihr wieder zurückgeben sollten, der Rest kommt von ganz alleine.

Bielefeld Audimax besetzt

Schüler protestieren gegen NRW Ministerin Sommer

2 Gedanken zu “Bildungsnotstand

  1. Da sind die Kommentare zu diesem Artikel auf nw-news.de sehr interessant zu lesen.

    Dort melden sich genau die Studenten zu Wort, die sich durch Bildungstreik und Audimax-Besetzung in ihrem schnellen Fortkommen behindert sehen. Die Alle gegen Alle Art zu denken sitzt dort sehr sehr tief.

    Wie du schon richtig schreibst, ist das Bildungssystem eben auch nur ein Teil der Gesellschaft. Das die Studenten protestieren wird nicht reichen, da müssen auch die Bürohengste ran.

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