Lego macht schlau. Von Diplomsteinchen und Masterplänen

Mit Diplomsteinchen schreiben. copyright nixzen

Mitte der Woche sagte mein kleiner Sohn zu mir, dass meine alten Legos viel besser seien als seine Neuen. Ich war ein wenig verwundert, da meine alten Legos nicht mehr richtig zusammenhalten.

Auf die Frage, warum denn meine alten Legos besser wären als seine Neuen, antwortete er: “ Da kann man sich noch selbst was ausdenken!“  Die Neuen würden nur mit einem Plan funktionieren und man könnte maximal drei Sachen bauen.

Das wiederum erinnerte mich an die Steinchen des Lebens. Früher war das Studieren wie meine alten Legos. Die Bausteine lagen da; planen, denken, konstruieren und entwickeln musste ich selber.

Heute wird nach Bauplan studiert, es gibt vorgegebene Pläne und man muss nur beweisen das man nachbauen kann. Querdenken ist nicht  gefragt und würde der Wirtschaft, neben dem zeitlichen Aspekt, wohl  zu viele Fragen aufwerfen.

Aber zurück zu den Legos, mein Sohn findet die neuen Legos blöd und baut lieber mit den Alten. Ab und an baut er ein paar von den neuen Steinchen mit ein. Wann und wie er das macht  entscheidet er allerdings selbst,  ganz ohne vorgegebenen Bauplan.

Lernen bedeutet die Liebe des Verstehens und die Liebe, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun.
Krishnamurti, Vollkommene Freiheit

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18 Gedanken zu “Lego macht schlau. Von Diplomsteinchen und Masterplänen

  1. Das ist nicht nur mit Legosteinen so. Mir ist auch einmal aufgefallen, dass man sich früher alles selbst ausrechnen musste, heute hat man dafür seinen Taschenrechner und sein Tafelwerk mit den Formeln, aber wie man auf die Formeln kommt, weiß dann keiner mehr. Sicher geht dadurch der Prozess der Aufgabe schneller, allerdings verblöden wir dadurch. Nicht umsonst werden wir „Generation Doof“ genannt.

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    1. Es soll wohl bald Lego 7 geben, da soll man sich selbst aus blauen Steinen einen bluescreen bauen können.
      Geplant sind dann auch Erweiterungen, so genannte Lego Service Packs 1-10
      Playmobil soll angeblich die Entwicklung neuer Figuren freigeben, als open source “ Playnux“.

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  2. 🙂 das kenn ich! Mein Sohn ist fünf und wir kommen jetzt gerade in die heiße Lego-Phase. Eine Kindergartenmutter ist besorgt: ihr Sohn baut nur nach Plan. Ausgesprochen interessiert ist sie an der Information, dass meiner auch mal einfach wild drauf los baue und den Plan beiseite werfe. Den er – nebenbei – noch nicht so ganz alleine „lesen“ kann. Ich bin entzückt. Mein Sohn, ein kleiner Rebell. Schert sich nicht um Baupläne, sondern ist sein eigener Architekt.
    Dein Sohn jedenfalls hat’s erkannt: Die Erwachsenen machen ganz viele tolle Sachen – mit dem nicht so tollen Hintergedanken, dass man damit eben nicht alles machen kann. Sei’s drum. Spaß macht es trotzdem, nur sucht man sich dumm und dämlich, wenn mal wieder irgendein mikrometerkleines Teil verloren geht.

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  3. @Erica42
    Ich find das ja schon äusserst interessant, das Kinder heute in unserer Wahrnehmung als Rebell, Hacker oder Aufständige gelten, wenn sie sich nicht an Baupläne aus Legoverpackungen halten. Wir haben die Anleitungen früher eher als unverbindlichen Vorschlag gesehen, was man so alles machen kann, nicht als Anweisung.

    Gibt es heute zu viele und zu detailierte Anleitungen, Pläne und Vorgaben? Bevormunden wir Erwachsenen entgegen unseres Selbstbildes vielleicht die Kinder heute noch mehr, als unsere Elterngeneration?

    Achten Eltern heute zu sehr darauf, das ihre Kinder alles „richtig“ machen?

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    1. @Esgibtsie: ja, ich denke schon, dass wir mit Argusaugen unsere Kinder beobachten. Unsere aufgeklärte Generation ist umso vieles reflektierter als viele unserer Eltern. Das steigert aber auch das Angst-Potenzial. Die Kinder sollen nicht nur erfolgreich im Job sein, sondern wir wollen sie auch zu guten und emotional entwickelten Menschen erziehen. Das ist ein enorm hoher Anspruch, den man eigentlich nur insofern bedienen kann, indem man die Werte den Kindern vorlebt und weniger vor-erzählt. Wenn ich also meinem Fünfjährigen etwas zu erklären versuche, merke ich, dass die Aufmerksamkeitsspanne sehr schnell nachlässt. Wenn ich die Dinge einfach so mache, wie ich sie als richtig empfinde, hat er die Chance es mir gleichztun oder seine eigene „Entscheidung“ zu treffen. Es ist mehr mein Umgang mit anderen, durch den er etwas lernt, als mein Umgang mit ihm. Ich lasse es ihm also offen, den Bauplan zu nutzen oder nicht. 🙂

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  4. denke ebenso wie Erika, das wir die Kinder zu sehr zu texten. Viele, gar die meisten Dinge lernen sie durch Nachahmung, daher ist es sehr wichtig, was wir ihnen vorleben.
    Zur Zeit bringen wir es leider nicht zur Meisterschaft. Wir leben zu oft Missgunst, Gier und Hektik vor.
    Aber an dieser Stelle sieht man ja auch, das wir es erkennen und uns ändern können.
    Die Kinder werden es uns danken und wir haben ein leichteres Leben.-)

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