Es regnet wieder in Bielefeld.

Es regnet in Bielefeld.

Es ist nicht, dass ich Regen nicht mag. Ich mag den Regen in Bielefeld nicht. Schon oft habe ich überlegt, ob ich auch einer dieser Berlin Flüchtigen werden soll. Immer auf der Suche nach dem neuen “ Kiez“ und doch heimatlos.  Aber, ich bin noch hier und frage mich warum der Bielefeder Regen denn so anders ist.

lustloses eifon Bild aus Bielefeld

Ich habe es mit Hamburg versucht. Dort ist der Regen stürmischer, die Stadt reicher und die Menschen noch distanzierter. Es gibt einen Hafen, gespielte Fernweh und zwei Fußballvereine. Mit dem FC St. Pauli sogar einen Kult Verein, der gleichfalls unter Bielefelder Eventmanagern und Marketing-Yuppies Freunde gefunden hat.  Auch in Bielefeld trinken junge Männer Becks Bier stehend vor den Kneipen. Allerdings nicht bei Regen.

Erinnert mich der Regen an den Heimatverein Arminia, mit den unzähligen Skandalen und Trainerentlassungen?  An schlechten Fußball und kuriose Siege? Ist es der Bielefelder Uni -Bau, welcher bei grauem Himmel noch grauer wirkt? Das Wenige, was an Bielefeld bunt ist passt an solchen Regentagen auf eine Dr. Oetker Bio-Pizza.  An eben diesen Tagen, schafft es sogar die Lokalzeitung noch schlechter zu werden, als sie schon ist. An Bielefelder Regentagen beschleicht scheinbar die ganze Stadt ein „Bielefeld Gefühl“.  Eine lethargisch-explosive  Mischung aus Gleichgültigkeit, Wortkargheit, stiller Beklemmung und der Hoffnungslosigkeit, nie wieder aus dieser Stadt herauszufinden.

Regentage in Bielefeld sind der Weckruf zur falschen Zeit, am falschen Ort zu sein. Und trotzdem liebe ich diese Stadt, auf eine  nicht zu beschreibende Weise. Diese „Großstadt“ mit Kleinstadtflair. Wo auf jedem Kinderfest eine Rollenrutsche aufgebaut wird. Wo  die Lokalzeitung Bloggerstammtische organisiert und Twitteressen. Wo der Sparkassen Werbeleiter seit 25 Jahren den selben Namen hat. Wo Kastanien gefällt wurden, weil selbige Kindern auf den Kopf gefallen sind. Wo ein Blitzer auf der A2″ am Bielefelder Berg die einzigen Promi Fotos knipst.

Ja ich mag dieses Bielefeld und trotzdem werde ich der Stadt wohl einmal „goodbye“ sagen. Noch nicht, aber irgendwann einmal.

Bis dahin wird es wohl noch eine Zeit regnen.

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20 Gedanken zu “Es regnet wieder in Bielefeld.

  1. *amüsiert lächel*… ich glaube, dass du Bielefeld im Grunde deines Herzens als deine Heimat ansiehst, weil sebst die negativen Dinge klingen bei dir wie eine Liebeserklärung an Bielefeld *anmerk*. Weißt du eigentlich wie schön das Bewusstsein ist, sich zu Hause zu fühlen?… Jaaa.. du weißt es *zwinker
    Liebe Grüße
    Blunafrosch

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  2. Bielefeld kann man auch nur Liebeserklärungen machen, wenn man seine Existenz anerkennt. Fast schon wie eine Religion.
    Es gibt Straßenkreuzungen in Bielefeld die sind vor meinem inneren Auge immer nur regennaß und spiegeln das Ampellicht…
    Mit Google Streetview könnte ich euch jetzt diesen Blick als Link schicken, aber das ist eine andere Geschichte….

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  3. In Hamburg hat es gestern Nacht auch geregnet. Wenn ich deinen Text und die Kommentare dazu lese, dann muss ich wohl echt die Sonne mit nach Bielefeld gebracht haben. Als ich vor Jahren mal da war, schien die Sonne – oder war das vor dem Klimawandel :-))
    aus Hamburg grüßt mayarosa

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  4. ein irgendwie eigenartiger text. mir scheint, über ein eigenartiges gefühl. die wendung hätte ich nicht erwartet – also, dass du die stadt doch magst.
    was hat dich denn dahin verschlagen? bla bla gründe ^.^? (emailantwort folgt morgen!)

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  5. ich mag bielefeld :).
    und in nordrheinwestfalen regnet es sowieso am schönsten. ja, etwas beklemmend. aber eigentlich ist es eher klein und kuschelig, als würde einen der himmel ein bisschen zu fest umarmen, und einem bliebe kurz die luft weg. oft ist es grau aber grau ist auch eine farbe. das weiss ich, weil ich über zehn jahre in bochum gewohnt habe, wo ich den regen und den himmel als haube trug, wie einen bunten paradiesvogelhut ;).
    hier in berlin, wo ich jetzt bin, sind so viele westfalen gestrandet – aber wenn man dann von der wuppertaler schwebebahn redet oder von der bochumer zeche, oder von der schönen grauen bielefelder uni, dann kriegen sie doch feuchte augen. ich übrigens auch. auch wenn ich nicht zurück will. heimat ist eben oft genau das: ein absurder seufzer auf den lippen. so liest sich auch dein artikel – für mich ;).
    herzliche grüsse
    giannina

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