Der Buddha im Schaufenster

Seit einigen Jahren stehen sie in den Läden. Mal zum Verkauf, mal als Dekoration im Schaufenster. Ob beim Friseur, in der Boutique, im Golfsportgeschäft, bei Eduscho, als Bildschirmschoner oder an der Tankstellenkasse, als Anhänger für Autoschlüssel. Buddhafiguren finden sich überall.

Buddha, copyright nixZen

Findet etwa hinter der angeblichen Islamisierung unserer Gesellschaft, eine stille „Buddhaisierung“ statt? Wohl kaum. Zwar sterben die deutschen Staatsreligionen einen langsamen, aber wohl unaufhaltsamen Tod, doch der Buddhismus wird sie nicht unbedingt ersetzen.

Er verkörpert in Form des Buddha eher ein Lebensgefühl, eine Suche, ein Wunsch nach einer bestimmten Form von persönlicher Identität. Die Buddhafiguren stehen wie eine Werbemarke für die gewünschte Individualisierung der eigenen Persönlichkeit. Die Buddhas sind so etwas wie der „Ray Ban Durchblick“ oder der „Prada Walk“. Mit Marken drücken wir ein bestimmtes Lebensgefühl aus. Nur leider können uns die Marken nicht das geben, was sie uns womöglich versprechen. Adidas Sportschuhe machen uns nicht unbedingt sportlicher. Die Rolex nicht cooler. Und der süße Zuckerriegel Mars macht uns nicht wirklich mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel.

Die großen und kleinen Buddhas stehen für unsere Sehnsucht, nach einer anderen Welt. Eine Welt die netter, sauberer, ruhiger und menschlicher ist. Ein wenig geben uns die Figuren von dem Gefühl ab, aber um wirklich dahin zu kommen müssen wir uns selber zur „Marke“ machen.

Lyrics & Chords

17 Gedanken zu “Der Buddha im Schaufenster

  1. schöne gedanken. ich habe auch schon bemerkt, dass die buddhas rundherum irgendwie mehr werden. ich hab mich aber eher gefragt, ob die leute überhaupt wissen, um welche figur es sich handelt. ich unterstelle nämlich, dass die meisten überhaupt keinen tau haben, worum es im buddhismus geht…
    allerdings wäre es schön, wenn dem nicht so wäre und es tatsächlich ein ausdruck der befürwortung des inhalts wäre…

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  2. Dieses materialisierte Erwachen ist be(h)achtenswert. Ein Buddha im Beet (be)wirkt vor allem mehr, als ein Gartenzwerg.

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  3. Na, ob wir deswegen gleich zur Marke werden müssen? Ist Buddha denn eine Marke? Und Jesus? Und Ghandi? Und Nelson Mandela?
    Vielleicht sollten wir versuchen, so zu leben, wie wir uns die Welt wünschen. Das ist doch schon mal ein Schritt.

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  4. Warum sind Jesus, Buddha Ghandi, Nelson, Obama, Mutter Theresa denn keine Marke?
    Was ist eine Marke?
    Und was wäre daran womöglich schlimm eine, nun ja Marke ( im Sinne einer Werbemarke ) zu sein?

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  5. Genau dieser Begriff wäre wohl erst zu klären. Frag drei Marketingleiter und du bekommst vermutlich vier Antworten, was sie unter Marke bzw. Markenbildung oder Markenführung verstehen. Zunächst einmal kommt der Begriff Marke von Marketing und bedeutet Markt machen.
    Ich denke, Menschen wie Ghandi oder Nelson Mandela haben es verstanden, eine Überzeugung zu leben, die viele Menschen tief in sich wünschen und das gewaltfrei und gegen Widerstand, mit Mut, Hingabe und Gnade. Es ging ihnen um das Sein und das Tun. Über Jesus und Buddha gibt es nur historische Überlieferungen, aber bei ihnen war es vermutlich ähnlich. Vielleicht werden sie heute manchmal als Marke verkauft. Das mag sein.
    Den Begriff Marke finde ich nicht schlimm, aber er verwischt irgendwie diesen Wesenskern. Eine Marke muss kein Schein sein. Oft ist aber viel Schein, Darstellung und bewusste Aufladung mit Werten und Gefühlen dabei, die sich eben gerade gut verkaufen. Das beschreibst du ja selbst sehr treffend.

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  6. Ich finde den Begriff Marke in dieser Zeit sehr passend. Wir leben und lieben die Marken.
    Ob Che, den FC Köln, unseren TAZ Kaffee, unsere BIO Labels, den Benz…
    Sich selber zur “ Marke“ machen war ein wenig humorvoll, augenzwinkernt gemeint.
    Ich Schelm:-)))
    Diese, unsere persönliche Marke sollte die verinnerlichten Attribute von Fairness, Respekt, Achtsamkeit, Liebe, Nachhaltigkeit…und ..und…und beinhalten.
    Nenne es wie du möchtest und versuch es für dich umzusetzen.

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  7. @mayarosa
    Also Jesus ist auf jeden Fall eine Marke, da frag mal den Markeninhaber Catholic Church. Die haben unter diesem Markennamen schon sehr früh kleine Knöchelchen verkauft, die Reliquie. Einer der ersten Wellness-Produkte. Kaufe eine Reliquie und fühl dich sündenfrei! Die Marktanteil ist seither enorm gewachsen und das Produktportfolio hat sich ausdifferenziert. Die Marke Jesus hat zudem auf jeden Fall das beste Logo der Welt, das Kreuz.

    Nun, zugegeben, die Marketing-Abteilung schwächelt im Moment ein wenig, die haben Kommunikations-Probleme, weil ein paar Aussendienstler über die Stränge geschlagen sind (so übermütige Pfaffen, die Kinder mißbrauchen), aber der Jesus-Konzern-CEO Benedikt XVI. ist auf nem guten Weg, diese vorrübergehenden Personalprobleme in den Griff zu bekommen und hält die Shareholder-Gemeinden bei der Stange. Mit Wachstum wird ab dem 3. Quartal 2011 wieder gerechnet.

    Der Mitbewerber Mohammed AG hat da erheblich größere Probleme, ein Konzern-übergreifender Markenauftritt und ein Logo sind von der Konzernleitung bisher unerwünscht und werden für die Marke als schädlich erachtet. Einige Konsumenten des Produkts Islam verwenden das Produkt derzeit auch nicht gemäß der Anleitung. Darüber hinaus gibt es keine gut funktionierende Pressearbeit und ein mangelhaftes Beschwerdemanagement.

    Die Eschatologie Times Deutschland (ETD) geht davon aus, das der Islam seinen Marktanteil in den Stammmärkten trotz der Markenschwäche weiter ausbauen kann, die Marke aber frühestens im vierten Quartal 2443 ausserhalb der Stammmärkte Akzeptanz finden wird. Die größten Wachstumschancen werden derzeit dem Islam-Produkt „Halal“ zugetraut.

    Halleluja!

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  8. @ esgibtsie: 🙂 So kann man das natürlich auch sehen. Dann fehlt noch der Hinweis auf die geniale PR-Strategie von Kirche, Imam & Co. Denn das Leistungsversprechen (Himmel, 1.000 Jungfrauen und Paradies) wird postmortalisch eingelöst und kann daher nicht überprüft werden. Insofern sind Reklamationen ausgeschlossen.
    (Ich sprach nicht von der Kirche oder einer Organisation, sondern von den genannten Personen als Menschen – mir persönlich ist diese Unterscheidung sehr wichtig :-))

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  9. Buddhas kann man schon seit Jahrzehnten kaufen. In meiner Jugend standen sie in der Nähe der Chillums.
    Ein Möchtegern Buddhist überraschte mich mal mit dieser These: „Geld macht attraktiv.“ Er selbst ist Kapitalist vom Feinsten und will sich, wie Du sagst, nur mit seinem angebliche Glauben, seinen Buddhafiguren, Räucherstäbchen und Kochgewohnheiten von anderen ‚abheben‘. Ich habe oft eher den EIndruck mit diesem asiatischem Touch versuchen solche Typen ihren überduchschnittlichen Haschischkonsum vor sich selbst zu rechtfertigen. Die Tatsache, dass Buddha nicht auf Drogen stand wird hier ignoriert.

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