Stille

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Als ich nach Kindergeburtstag und Stadionbesuch meine neue Wohnung betrat, traf mich die „Stille“. Früher begrüße mich sofort ein Hund,  jetzt begrüßte ich die Wände. In meinem Fall besteht eine Art ambivalentes Verhältnis zur „ Stille“. Sie begleitet mich täglich, häufig sehne ich sie regelrecht herbei und doch arbeitet das ganze körpereigene Denksystem daran sie fernzuhalten. Menschen die Yoga, Qi Gong und ähnliche Sportarten ausüben kennen diesen Zustand. In dem Moment, wo wir die Stille in uns suchen, herbeiführen möchten, plappern unsere Gedanken munter drauf los. Wohnen wir alleine, machen wir morgens als erstes das Radio an. Es gibt Zeitgenossen, welche behaupten viele neue Erfindungen / Geräte könnten auch so gebaut werden, dass sie leiser wären. Doch der Mensch benötigt die Geräusche, wie z.B. dass Summen eines Kühlschranks. Andererseits gibt es viele „stille Momente“ im Leben, die wir genießen. Ich habe mal einen solchen, wirklich stillen Moment auf dem Berg Sinai, beim Sonnenuntergang erlebt. Es waren ca. 50 Menschen auf dem Berg und keiner sagte ein einziges Wort. Es war sprichwörtlich totenstill, kein Vogelzwitschern, kein Geräusch. Jedem packte, eine wohl nicht zu erklärende, Ergriffenheit. Viele hatten Tränen in den Augen. Man stand zusammen und doch war jeder mit sich allein. Ich habe aber auch schon im Londoner Hyde Park, an einem wundervollen Sommertag die „Stille“gefunden. Trotz, oder gerade wegen der Millionen von Geräuschen. Ich hatte einfach vergessen sie zu hören. Vielleicht verwechseln wir Stille mit Einsamkeit, oder bringen sie zumindest damit in Verbindung. Dabei können wir auch in unseren lautesten Momenten des Lebens sehr einsam sein. Ich werde mir im Stillen weiter Gedanken über die Stille machen und das Ergebnis womöglich laut verkünden. Jetzt schalte ich erst mal das Radio ein.

Es geht geisterhaft zu, jeder Augenblick des Lebens will uns etwas sagen, aber wir wollen diese Geisterstimme nicht hören. Wir fürchten uns, wenn wir allein und stille sind, daß uns etwas in das Ohr geraunt werde, und so hassen wir die Stille und betäuben uns durch Geselligkeit. Friedrich Nietzsche          Quelle

Ganz im Geheimen sprachen der Weise und ich. Ich bat ihn: Nenne mir die Geheimnisse der Welt. Er sprach: Schweig … und lass dir von der Stille die Geheimnisse der Welt erzählen. Rumi, Das Lied der Liebe          Quelle

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