Der schleichende Tod des Buches?

 

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Am Wochenende ging die Leipziger Buchmesse zu Ende. Ihre Geschichte reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Laut einem Gesprächs, welches ich am Samstagabend mit einer Buchfachverkäuferin führte,  dürfte diese Tradition in den nächsten Jahren zu Ende gehen. Ich selbst entstamme aus einem bildungsfernen Haushalt. Wir hatten wenig Bücher im Haus. Die Meisten waren Geschenke und nicht gekauft. Meine Begeisterung für Geschichte entstammt einem Esso Sammelband, den mein Vater an der Tankstelle geschenkt bekam. Die Schule, auf die ich gehen musste hatte auch nicht viel zu bieten. An dieser Stelle muss ich meine/n Deutschlehrern/Innen  einmal danken. Entsprechend der Umstände haben sie ihr Möglichstes versucht.

Tatsache ist, ich kaufte mir ab ca. 11 Jahren selber meine Bücher. Bis zum heutigen Tag liebe ich Buchläden und Bücher. Ich erinnere mich noch immer mit Schrecken, wie ich ganze 3 Tage gebraucht habe, Martin Eden“ von Jack London zu verdauen. Oder wie ich das Buch „Der Längengrad “ auf dem Flughafen Düsseldorf lustlos kaufte und es in einem Zug (Flieger) durchlas, um daraufhin noch im selben Sommer 5 Tage nach London zu fliegen um mir die Harrison Uhren in Greenwich anzuschauen.

Bücher begleiten mich und werden es wohl, bis zu meinem Neubeginn  auch weiterhin tun. Doch am besagten  Abend sprach die Buchverkäuferin vom Sterben der Bücher. Und tatsächlich sah ich in der Filiale, dieser größten Buchhandelskette eine Menge Displays mit Dingen, welche keine Bücher mehr waren. Von Schokolade bis Kochutensilien war ein gefühltes Fünftel der Verkaufsfläche mittlerweile anderweitig bestückt.

Laut ihren Aussagen kaufen nur noch ältere Semester die „Dinger aus Papier“. Sicher, ich bin kein Teenager mehr, was auch gut so ist, aber ist an ihrer These etwas dran? Die Verkaufsstatistiken beweisen es wohl. Laut ihren Angaben sind die Jüngeren nicht mehr bereit längere Texte zu lesen, geschweige denn Fußnoten.

Zumindest in meinem Fall, wäre ich ohne Bücher nicht der Mensch, welcher ich jetzt bin. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was ich geworden wäre, hätte ich mich nur mit „short messages“ und TV weitergebildet.

Ich hab keine Ahnung, ob die Bücher wirklich aussterben werden. Ob Facebook & Co, Trash TV, SMS, Spielkonsolen u.s.w. eine verschwörerische, staatliche Erfindung sind, wie im Roman Fahrenheit 451. Anders als im Roman, vernichtet nicht die Feuerwehr die Bücher durch Verbrennung, sondern genannte, eingesetzte Medien verbrennen den Geist der Menschen. Aber wie gesagt, es ist nur eine Überlegung, eine andere ist, dass man einfach gelassen weiter ließt, so lange es noch etwas zu lesen gibt.

Nachtrag: Natürlich hab ich am Samstagabend noch ein Buch gekauft, für meine Kinder, denn die lesen gern:-).

Titel: Ich bin ein Genie und unsagbar böse von Josh Lieb und weil ich gerade schon dabei bin ein wenig Werbung zu machen, zu empfehlen ist auch fogendes Werk, Yoda ich bin! Alles ich weiß! von Tom Angleberger. Ich setzte hier kein Link zu einem online Händler.

Kauft es im kleinen Buchladen um die Ecke!

18 Gedanken zu “Der schleichende Tod des Buches?

  1. Bücher liebe ich auch. In Bibliotheken oder Buchhandlungen kann ich mich sehr lange aufhalten und bin immer ganz ergriffen, von dem vielen Wissen, den Geschichten und Ideen, die mich umgeben.
    Die Zukunft der Bücher sehe ich gelassen. Auch junge Menschen lesen gerne gute Geschichten. Man schaue nur auf den Hype um Harry Potter, die jüngst verfilmten Vampirgeschichten plus Me-Too-Büchern und andere junge Serien der Kinder- und Jugendliteratur. Und die Haptik eines Buches sowie das Praktische daran können E-Books oder Tablets nicht ersetzen. Viel Spaß beim Lesen am Strand sag ich da nur 😉 – Der Marktanteil von E-Books ist in Deutschland nach wie vor verschwindend gering (anders in den USA): http://www.notebookcheck.com/E-Books-Laut-GfK-Studie-haben-E-Books-in-Deutschland-nur-0-5-Prozent-Marktanteil.49726.0.html
    Meine Erfahrung gestern ging in die gleiche Richtung. Ich machte mit meinem Sohn Flohmarkt. Unter anderem hatte ich auch eine ganze Reihe Bücher zu verkaufen. Die gingen richtig gut weg. Ich war eher erstaunt, wie viele Menschen gebrauchte Bücher kaufen. Zu ihnen zählte ein etwa 20jähriger, der sich „Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland“ zulegte.
    Ich denke, die Beobachtung, dass es Buchläden schwer haben, ist schon richtig. Die Ursache liegt aber weniger in der Lesefaulheit der Menschen, sondern eher in der Begeisterung, mit der Deutschland bei Amazon & Co. einkauft.

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  2. Vermutlich ist die allgegenwärtige, verkaufsorientierte Werbung der e-Mediengerätevertreiber ein bißchen mitschuld an dem Eindruck, das Papierbuch werde verdrängt, aber ich kenne keinen Fan von e- und Hörbüchern persönlich, nur Papierleser, die das auch schon mal mit verwenden, aber nicht bevorzugen würden. Die Sinnlichkeit des klassischen Leseerlebnisses gewinnt wahrscheinlich immer wieder. Echte Verlierer sind die zweifellos die kleinen unabhängigen Buchgeschäfte, obwohl sie selbst auf dem Lande alles innerhalb von ein bis spätestens 2 Tagen vom Großhandel bekommen können, also schneller sind, als beispielsweise Amadingens per Post oder Paketservice ohne Extras, bei Preisen und Bequemlichkeit können sie einfach nicht mit. Die Frage ist: woher kommt der Eindruck, daß weniger Bücher gelesen werden, wirklich? in meiner Kindheit wurden Bücher zu Geburtstagen und zu Weihnachten geschenkt – dazwischen mußten wir in die Bücherei gehen, und das vom Taschengeld. Heutzutage kauft man sie dann auch, aber nicht nur. Möglicherweise gab es mal ein „Zwischenhoch“, bevor Video, DVD und e-Spiele aller Art dazwischenkamen, und ein weiteres, als die deutsche Rechtschreibreform Millionen von Kinder-Büchern „unbrauchbar“ und geradezu „schädlich“ gemacht hat. Aber das ist trotzdem Jammern auf hohem Niveau. Es wird wahrscheinlich keine Wachstumsbranche mehr sein.

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  3. Meine, schon lange erwachsenen Kinder, beklagten Weihnachten 2009, dass es keine Büchergeschenke gab. Ich hatte zu dieser Zeit den Kopf mit anderen Dingen voll und erstmals seit Jahrzenten die Bücher vergessen.
    In unserem Bezirk gibt es zwei unabhängige Buchläden. Beide kämpfen nicht ums Überleben. Denn Bücher werden gekauft – die Frage ist nur, wo? Ich informiere mich häufig beim weltgrößten onlinehändler und bestelle dann in meiner Buchhandlung. Wenn ich meine Kinder frage, was ich meinen Enkeln mitbringen kann, werden immer Bücher gewünscht.
    Ich glaube ganz fest an das Weiterleben des gedruckten Wortes in gebundener Ausgabe!

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  4. Bücher werden nicht aussterben.
    Bücher werden gelesen und irgendwann entdecken Menschen für sich ihr Buch. Sicherlich ist es schwieriger für ein Buch sich gegen die mediale Massenaufbereitung durchzusetzen, aber vielleicht ist es auch so, dass die Bücher dadurch auch gewinnen. Wenn man einen Film gesehen hat, liest man vielleicht eher das Buch; wiewohl ich weiß, dass man diese These auch sehr schnell umdrehen und ins Gegenteil verwenden kann.
    Dennoch: Bücher gehen immer. Man muss sich eben Gedanken machen, wenn man Bücher verschenkt, vielleicht noch eine persönliche Widmung und schon fragt sich vielleicht der Beschenkte, warum man sich die Mühe eines Buchgeschenks gemacht hat. Ich weiß es nicht, aber ich werde nicht aufhören, Bücher zu verschenken. Auch wenn ich weiß, dass manche Bücher nie nicht von demjenigen gelesen wurden, aber die Zeit ist auf meiner SEite; irgendwann hab ich das passende Buch gefunden.
    Btw: Kleiner Lesetipp: Walter Moers „Die Stadt der träumenden Bücher“. Grandios, phantastisch und absolut lesenswert. Ich habs auch eher lustlos gekauft und dann?! Ich habs schon dreimal gelesen und find es immer noch ganz wundervoll; denn Moers ist mehr als das kleine A*****och.
    Einen charmanten Dienstagmorgen wünscht
    MiEz

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  5. Vor Jahren habe ich die „13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär“ geschenkt bekommen und dachte: „Na, ja“. Dann konnte ich mit dem Lesen nicht mehr aufhören. Es folgten „Rumo“ und schließlich „Die Stadt der träumenden Bücher“. Manchmal braucht man auch einen Schubs um sich von Vorurteilen zu befreien. Diese Bücher sind einfach umwerfend, sie sind Philosophie!
    Ich versehe prinzipiell jedes Buch mit einer Widmung. Oft schreibe ich dazu, warum ich denke, dass genau dieses Buch das richtige für den Beschenkten sein könnte. Denn ein Buch sollte nie ein Verlegenheitsgeschenk sein.
    Liebe Grüße aus der sonnigen Hauptstadt
    Elvira

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  6. Ja, ich liebe Blaubären, ich kann auch so sprechen wie der im Fernsehen, grübel…vielleicht bin ich ja ein Blaubär.
    denn man tau!

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  7. Eure Buchempfehlung erinnert mich an den „Friedhof der vergessenen Bücher“. Der spielt eine zentrale Rolle in „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón. Sehr lesenwert.

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  8. Im Moment schleicht sich dieser Blog davon:
    Whoops!
    There was a small systems error. Please try refreshing the page and if the error is still there drop us a note and let us know.
    So meldet mir wordpress. Also sollte es bald nix mit nixZen sein.
    Es war mir ein Vergnügen!!

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  9. Goshdarnit!

    Something has gone wrong with our servers. It’s probably Matt’s fault.

    We’ve just been notified of the problem.

    Hopefully this should be fixed ASAP, so kindly reload in a minute and things should be back to normal.

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  10. Na, davon gehe ich doch aus 😉 Aber schön, wenn Menschen durch Bücher merken, dass sie dahingehend den gleichen Geschmack haben. Mich haben die Bücher auch fasziniert!
    Einen schönen Tag ❤

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  11. Wegen mir müssen Buchhandlungen jedenfalls nicht schließen. Habe erst heute wieder mehr als 50 Euro in einer gelassen. Anstehende Erstkommunion, Ostergeschenke, Geburtstage und Besuchsgastgeschenke fordern ihren Tribut.

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