LIFE

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Im Kino hatte ich ihn verpasst, gestern sah ich Zuhause das erstaunliche Leben des Walter Mitty.

Ich war beeindruckt, vielleicht sogar ein wenig mehr. Sean Penn gebraucht im Film dieselbe Kamera, welche jahrelang mein Begleiter war.

Fotografie, die Filmerei haben sich verändert, Menschen mit Go Pro auf dem Kopf gehören zum Stadtbild. Wer bei Konzerten hinten steht, sieht tausende, kleine Bildschirme. Überall wird fotografiert, gefilmt, die Qualität ist gut. Ich möchte das Alles nicht bewerten. Jede Zeit hat halt seine Entwicklungen.

Ich bin froh das ich den Charme und die Ruhe der analogen Fotografie erleben durfte, die Spannung bei der Filmentwicklung, dieses „coole“ Ritual den Film sachte, konzentriert einzulegen, auch in sehr hektischen Momenten.

Ja, ich trauere dem nach.

Die Fotografen von damals, welche Sean Penn in dem Film verkörpert, wird es bald nicht mehr geben.

Bilder werden just in time vom Ort des Geschehens gesendet, Mit der 4 K Technologie und deren Nachfolger wird man mehr filmen, als fotografieren und vielleicht sucht eine Software das ansprechenste Bild raus.

Schon jetzt fliegen knipsende Drohnen durch die Gegend und gehören zum Standard von Großveranstaltungen.

Die Hintertorkameras bei Fußballspielen werden per Funk ausgelöst, die Bilder direkt auf den Rechner gespielt.

Filterapplikation für unser Smartphone gaukeln uns eigene Kreativität vor, so wird aus dem normalen Parkbild mit Ente ein Sepia, tiefenscharfes Parkkunstwerk.

Was mir aber auffällt und was Sean Penn in seiner Filmrolle zum Besten gibt, ist unsere Distanzierung zum Moment.

Wir sehen etwas Schönes, wollen es festhalten, uns womöglich Likes und Lorbeeren abholen, unseren online Status aufwerten und fotografieren, was die Pixel denn so hergeben.

Sean Penn lässt in einem wunderbaren Moment die Finger vom Auslöser und kommentiert es Walter mit folgenden Worten:

Wenn mir ein Moment gefällt, also in mir, persönlich, dann mag ich die Ablenkung durch die Kamera nicht, dann möchte ich darin verweilen.


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17 Gedanken zu “LIFE

  1. „Wenn mir ein Moment gefällt, also in mir, persönlich, dann mag ich die Ablenkung durch die Kamera nicht, dann möchte ich darin verweilen.“ Ja, genau SO …

    kennst du auch das Phänomen, dass die Bilder, die du knipst weniger in dir wohnen, als die, die du nicht knipst?

    übrigens … wer hält dich ab weiterhin analog zu fotografieren? Alles ist möglich …
    danke für den Filmtipp, macht mich neugierig.

    herzliche Grüsse Ulli

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    1. Nein, das kenne ich nicht. Mit einigen Bildern bin ich sehr verbunden.
      Es gibt eine Art professionelle Verbundenheit zu einem Bild und dann gibt es halt diese privaten Momente, wo mein Geist sagt, ach lass es, schau und geniesse.
      Ich habe die Ausruestung verkauft, alles hat seine Zeit. Klar kann man noch anlog fotografieren, ist im Moment bei Jüngeren on Vogue. Es gibt ja schoene, andere analoge Sachen, schreiben zum Beispiel.
      Aber ich trage auch keine 80er Klamotten mehr, hoere nicht mehr die Musik, klar kommt alles zurueck, in aufbereiteter Form, aber man kann auch einfach sagen „schön wars“ und Punkt.

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  2. Genau diese Filmsequenz hat mir besonders gut gefallen. Den wunderbaren Satz habe ich auch posten müssen: http://quilttraum.wordpress.com/2014/05/06/der-moment/
    Ich fand es früher sehr spannend, wenn ich die fertigen Abzüge im Fotoladen abgeholt hatte und dann zu Hause die Bilder voller Spannung aus der Tüte nahm. In der Zeit, als ich überwiegend Dias knipste, habe ich den Film oft schon vom Urlaubsort ins Labor geschickt. Wenn ich zu Hause war, waren die ersten Dias bereits im Briefkasten. Dann gab es die Zeiten, in denen ich immer knapp bei Kasse war. Da musste ich genau überlegen, was ich wann und wo fotografiere.

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  3. Scheint ein interessanter Film zu sein und Sean Penn mag ich sowieso. Das Zitat gefällt mir sehr gut ich kenne auch Momente, die ich durch Fotografieren nicht stören will, auch wenn es vieles abzulichten gäbe. An solche nur inneren Bilder habe ich intensive Erinnerungen, die Bilder bleiben in meinem Kopf und ich kann sie und die Stimmung jederzeit hervorholen. Aber auch die dann doch mit der Kamera gemachten Bilder verbinde ich auch so gut wie immer mit Erlebnissen und Stimmungen.

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  4. Ach ja, das Selbstentwickeln früher war spannend, aber auch sehr aufwendig und man durfte keine Fehler machen. Ich traurere der Zeit nicht nach, sondern bin in dieser Beziehung eher froh über die neuen Möglichkeiten.

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  5. Das ist ein sehr schönes Resümee. Ich kann das gut nachvollziehen, obwohl ich zu analogen Zeiten noch nicht fotografiert habe.
    Aber – ich habe auch noch nie gefilmt, obwohl meine Kamera das könnte. Ich will es einfach nicht.

    Viele Grüße
    Heike

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  6. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich viele meiner alten, analog fotografierten Bilder.aufbewahrt habe. Klar, man kann intensive und emotionale Bilder auch nur im Gedächtnis aufbewahren, aber die Erinnerung ist leider nicht unfehlbar. Ein besonderes Foto dagegen fängt den Moment ein, den ganz bestimmten Augenblick. Schaue ich es mir Jahre später wieder an, kann ich sofort hineintauchen – jede Einzelheit ist da, das Licht, die Empfindungen und der ganze Kontext.
    Ich mag sowas.
    LG von Rosie

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