Voll neidisch…

tester0572

Heute forderte François Hollande mehr Wachstum. Der Begriff „Wachstum geistert nun seit den 70er Jahren durch die Wirtschaft und Politik. Früher ging es den Menschen um Gewinn, bestenfalls ums Überleben, heute ist das Mantra Wachstum um jeden Preis. Doch was ist es, was den Menschen antreibt. Speziell hier in Deutschland, warum wollen wir „Karriere„ machen? Warum benoten wir schon in sehr jungen Jahren die Leistungen unserer Kinder? Warum haben wir Angst vor Zuwanderung? Warum ärgert es uns, wenn die Nachbarin die Treppe zu spät geputzt hat? Warum wirbt TUI mit folgendem Slogan?

Sind wir Deutschen eine Neid Gesellschaft? Legen wir uns deshalb so ins Zeug? Sind deshalb im Grunde gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen? Gegen Zuwanderung? Ich habe lange drüber nachgedacht, mich selbst reflektiert und kann für mich selbst sagen, dass Neid eine große Rolle spielt. Unsere Sozialisation baut darauf auf. Ist dieser ganze Wachstumswahnsinn also eine Folge von dem Faktor Neid? Können wir überhaupt neidlos leben? Gibt es Gesellschaften, die neidlos sind, deren Sozialisation ihnen das Gegenteil beigebracht hat? Ist ein Antrieb ohne Neid möglich? Wohin bringt uns der Neid letztendlich? Diese und noch viel mehr Fragen tauchen in meinem Gedanken auf. Eine Frage ist, wie werde ich den Neid wieder los? Die Sparkassen-und Bausparkassenwerbung hat mir damals beigebracht, wie so ein gutes Leben aussehen soll. Einfamilienhaus, 2 blonde Kinder, blonder Retriever, Volvokombi, 2 Male im Jahr in den Urlaub, Sylvester Fondue mit befreundetem Pärchen. Soll ich darauf neidisch sein? Was ist das „Must-have“ eines Lebens? Es ist das Leben selbst, ohne dieses eine können wir uns den Neid sonst wohin stecken. Neid macht uns hungrig, wie jenen berühmten Esel, der immer versucht die Möhre zu bekommen. Auch wenn er sie bekommt, ist er nicht satt und schon ist da die nächste Möhre. Wie währe es also, wenn wir mal neidlos wären, im Job, in der Discounterschlange an der Kasse, gegenüber unseren Geschwistern u.s. w? Es gebe keine Noten, keine Bewertungen, wir wären zufrieden mit dem, was wir sind, was wir besitzen, was wir darstellen. Bis dahin ist es wohl ein langer Weg, aber denken kann man es ja mal kurz, denn wer möchte schon all die Leben ein Esel bleiben. Hier ein Text den ich gerade noch fand und der sehr gut passt>>>

Vergleichen führt zu Enttäuschungen und ermutigt nur den Neid, den man als Wettbewerb bezeichnet.
Krishnamurti

Neid ist Leiden unter den Vorteilen anderer.
Lateinische Lebensweisheit

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12 Gedanken zu “Voll neidisch…

  1. Ein spannender Gedankengang. Womöglich steht unsere Sozialisation altruistischen Ideen wie dem sozialen Grundeinkommen im Wege? Andererseits hat dieses „auchhabenwollen“ die Menschheit sehr weit gebracht (oder doch nur zum stumpfen Konsum? ). Neugier würde aber vielleicht auch reichen für Forschung und Fortschritt? In dänischen Schulen gibt es meines Wissens übrigens erst ab der 10. Klasse Noten. Wäre interessant zu wissen, ob das zu Verhaltensunterschieden führt! Liebe Grüße, Marlene

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    1. Ja aber Neid ist so eine Sache, schau dir die Bildungsdiskussion an.
      Frag dich, an welchen Stellen du Neid verspürst.
      Wo du dich selbst nicht gut genug fühlst. Neid hat ja immer etwas mit dem eigenen Selbstwert zu tun.
      Viele der Kriege resultieren aus rein wirtschaftlichen Interessen, vielleicht profitieren wir ja davon.

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      1. Hat mit Selbstwert zu tun, ja, aber auch mit der eigenen Einschätzung und dem zurecht kommen des bisherigen Lebens, der nicht mehr zu ändernden Vergangenheit und das Akzeptieren des Versäumten.
        Dem Annehmen des Jetzt, der eigenen Kraft der Möglichkeit des Veränderns. Es liegt so viel in unserer eigenen Hand in unserem eigenen Handeln und Tun.

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  2. Interessante Gedankengänge. hab sie grad „überflogen“ , aber nicht sudiert.

    Neid ist meiner Ansicht nach oft eine Einstellung, die aus Lebenserfahrung resultiert.
    ER drückt Unzufriedenheit aus, meist mit sich selbst und er ist auch ein äußerst unangenehmes Gefühl, sowohl für einen selbst ( wenn man ihn in sich hoch kommen spürt ) und auch wenn man Neid an anderen Menschen spürt,
    Wenn einem Neid entgegengebracht wird, könnte man stolz sein, da er ja bekanntlich “ verdient“ wird.
    Mich macht das aber eher etwas aggressiv, wenn Leute einem nichts “ gönnen“ können.
    Da könnte ich eine psychosoziale Abhandlung darüber schreiben, die aber niemanden was bringen würde, weil man so etwas selbst erfahren und kapieren muss.
    Aber wem sage ich das, Du denkst ja ähnlich wie ich. 🙂

    schönen Feiertag noch, die Sonne scheint, mach was draus . Liebe Grüße

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