Gott gehört niemandem, Gott gehört nur sich selbst.

sinai-001
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Als ich in jüngeren Jahren (schmunzel) mit einem Kamel und einer lehren Flasche Pepsi auf dem Berg Sinai/‏جبل موسَى ankam,
fühlte ich, es war ein besonderer Tag. Ich war nicht religiös, zwar christlich erzogen, aber irgendwie hat sich mir die christliche Mythologie immer widersprochen. Alles schien so, als sei es Leiden und ewige Buße, aber ich verstand nicht, wofür ich Buße leisten sollte. Ohne Gepäck, nur mit meiner alten Contaflex Fotoausrüstung erreichte ich damals den Gipfel. Es waren keine entspannten Zeiten und nur sehr wenige Menschen fanden den Weg auf den Berg. Zusammen mit den Beduinen waren wir ungefähr 50 Personen, verschiedener Nationen. Ich kam spät an und die Sonne geht im Sinai schnell unter. Ich weiß, nicht mehr ob ich ein Stativ dabei hatte, ich machte ein paar Bilder, und als die Sonne in Schritten den Ort verließ, wurde es still, auch die Beduinen, die Tee und Gebäck verkauften, stellten die Tätigkeiten ein. Selbst die Amerikaner hörten auf zu sprechen und zu fotografieren. Alle standen wir auf einer Art Plato und schauten auf das schwindende Licht, kein Vogel, kein Laut, nicht ein Geräusch war zu hören. Ich vergaß die Kamera, wie all die anderen, mir kamen plötzlich leise die Tränen, dort oben auf diesen Berg, mit dieser fast göttlichen Stille, kein Wind nur dieses schwindende Licht und die schweigenden Menschen. Es war der Moment, in dem ich verstand, dass Gott niemanden gehört, nicht gehören kann.

Gott ist alles, was ist und vielleicht sogar ein wenig mehr davon. Er kann keiner Religion gehören, keinem Menschen, denn Gott gehört sich selbst und das in einer Unendlichkeit die wir nicht schauen können. Was damals aber wohl alle spürten, war die Liebe, die Bedingungslose. Viele Tränen wurden nach dem Untergang der Sonne weggewischt.

Die religiösen Genies aller Zeiten waren durch diese kosmische Religiosität ausgezeichnet, die keine Dogmen und keinen Gott kennt, der nach dem Bild des Menschen gedacht wäre.
Albert Einstein

Kleiner Nachtrag: In der Nacht habe ich mir meinen menschlichen Hintern sprichwörtlich abgefroren, ohne Schlafsack, in den geliehenen, furchtbar staubigen Bedudecken, um am nächsten Tag bei sengender Hitze, zu Fuß, den Berg hinabzusteigen. Aber es war jede Sekunde Wert:-).

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9 Gedanken zu “Gott gehört niemandem, Gott gehört nur sich selbst.

  1. Eine sinnhafte Sichtweise und wunderbar in Worte gebracht. Die Menschen unserer Welt sollten so empfinden und begreifen, dass Gott niemanden gehört, statt sich um seinetwegen zu bekriegen. Aber so wird es nie kommen.
    lg morgenrot

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