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Neben meinem Bäcker ist folgender Spruch getackt, „Menschen raus“. Ich habe schon viele raus Tacks lesen dürfen, Ausländer raus, Nazis raus, Schwule raus, Trainer raus, (mehr in der Schreiform), Bullen raus, Fleischesser raus. Wenn wir alles rausschmeißen würden, was da so die Menschen in unserem Land raus haben wollen, wäre dieses Land menschenleer. Für Tiere und Umwelt sicherlich nicht vom Nachteil.
So erscheint mir dieses „Raus“ menschlich gesehen nicht sinnig.
Seit dem Frühjahr gibt es mit nebenan.de eine Nachbarschaftscommunity und in meiner Nachbarschaft scheint es einen Konflikt zu geben, mit jemand, der nach Meinung einiger Nachbarn, ein sogenannter Troll ist, also ein Mensch, der andere online attackiert, belästigt. Dieses wurde öffentlich mit seinen Namen gepostet. Ich selbst habe es weder festgestellt, noch sind die Aussagen der anderen Nachbarn bisher schlüssig. Allerdings stehen sofort Forderungen im Raum, diesen Nachbarn aus der Community auszuschließen zu wollen und ein Art Tribunal formiert sich.
Ich habe es selbst in einem Blog einmal erlebt, als ich etwas differenzierter auf ein Thema antwortete. Am Ende einer langen Kommentarstrecke, an der ich mich selbst nicht beteiligt hatte, war ich plötzlich Feind, das Ganze hatte sich von selbst hochgeschaukelt.
So etwas kann man auch schön bei Facebook oder andern Netzwerken betrachten.
Gestern war ich mit meinem Sohn beim Arzt, die Sprechstundengehilfin behandelte uns sehr forsch und mit null Prozent Freundlichkeit. Ich weiß nicht, was sie dazu trieb, möglicherweise nimmt sie sich selber gar nicht so wahr. Aber ich habe die Möglichkeit sie zu fragen, warum sie so unfreundlich ist, anstatt selber unfreundlich zu werden.
Es mag diese Trolle geben, die pöbeln, aber die Frage ist, warum sie es machen, warum ist jemand gegen Schwule, warum ist jemand ausländerfeindlich, will Polizisten rausschmeißen, etc.?
Trotz aller Vorurteile ist Dialog sinnvoll, denn eine Gesellschaft ist vielfältig und gerade Menschen, die sich selbst ausgegrenzt fühlen, fordern häufig die Ausgrenzung des Anderen.
Nutzen wir doch erst einmal die Möglichkeiten zuzuhören, zu fragen und unsere Standpunkte mitzuteilen, ein „Dialog raus“ führt uns zu einem „Menschen raus“.
Sicherlich gibt es eine Grenze, an der Dialog schwer oder gar nicht mehr möglich ist, wo Gewalt und Bedrohung einen Dialog nicht mehr zulassen. Ausgrenzung ist eine der Ursachen davon.

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9 Gedanken zu “Menschen raus!

  1. Ich war letzte Woche bei einer Islamdebatte in der Landeszentrale für politische Bildung in Berlin. Da war auch eine schon bekannte Muslima aus Berlin-Neukölln (sie hatte dort auch in diesem Jahr für das Abgeordnetenhaus kandidiert), gekleidet mit schönen buntem Kopftuch etc.pp. und beschwerte sich über die „Diskriminierung der Mehrheitsgesellschaft“ (keine Ahnung, was die damit meint). Wenn man mit Kopftuch in dieser Gesellschaft herumläuft (damit auch suggerierend, dass man sich ethisch korrekter als andere verhält) schließt man sich schon einmal auch selber aus. Aber es fand abgesehen von derartigen kulturellen „Missverständnissen“ insgesamt ein wirklich sehr guter engagierter Dialog bei dieser Debatte statt, denn solange die Leute miteinander vernünftig reden und streiten, ist alles o.k.

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  2. In der berüchtigten Rigaer Str. in Berlin ist auch überall „Yuppiedreck raus!“ zu lesen. Denn natürlich sind „die Yuppies“ für die Gentrifizierung verantwortlich, nicht das Versagen der Politik und die Gier der Investoren. Auch am linken Rand hört echte Toleranz und damit auch die Vernunft ganz schnell auf, wenn einem damit Denkarbeit und Selbstkritik erspart bleibt.
    Wenn man wirklich weiterkommen will, muss man unbedingt miteinander reden, es geht gar nicht anders. Und zwar mit allen, über alles, offen. Es gibt ja einen Grund, warum Leute Nazis werden oder Islamisten oder Autos abbrennen oder bei Pegida mitlaufen. Den wird man ohne direkte Kommunikation nur nie herausfinden. Stattdessen wird durch bloßes gegenseitiges Anprangern die Spaltung der Gesellschaft weiter vorangetrieben, was sehr gefährlich ist.
    Schöner Blog übrigens, folge jetzt. Und danke fürs Zurückfolgen! 😉

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