Ich hatte ein Interview der ZEIT-online,mit türkischen Wählern, welche in Deutschland an der derzeitigen Abstimmung teilnehmen, gelesen. Dort warf, ein in Deutschland lebender Türke, Deutschland einen mangelnden Integrationswillen vor.

Ich habe mir, den ganzen Tag,  viele Gedanken über die Aussage gemacht, insbesondere, als ich ein Fußballspiel des FC Kroatia gegen FC Bosnia besuchte (Namen etwas geändert). Das Bezirksligaspiel fand in meiner Nachbarschaft statt und war mehr ein Familienfest. Später hatte ich noch einige Gespräche zum Thema Integration, unter anderem mit einem, aus Afghanistan stammenden Freund

Ich halte die Sprache für einen der wichtigsten Faktoren. Integration ist nur möglich, wenn wir uns verständigen können. Hierbei meine ich nicht nur die Landessprache. Sprache findet auf vielen Ebenen statt. Ein weiterer, weit hergeholter Punkt ist die Philosophie über unser aller Leben. Was wollen wir mit und von diesem Leben. Leider ist die Philosophie kein Hauptfach in den Schulen dieser Welt.

Es gibt viele Meinungen zum Thema Integration, eine große Menge an Vorwürfen, Aussagen und Behauptungen aus allen Richtungen, von allen Seiten.

Wenn wir philosophisch eine Sprache sprechen würden, zumindest uns über sie verständigen, könnte diese Welt möglicherweise eine bessere sein. Es ist etwas utopisch, zugegeben. Das Thema Integration ist sehr komplex und es stecken viel Wut, viele Ängste, viele Vorurteile, viele Manipulationen, viele Machtspiele, viel Resignationen in dem Thema. Für mich könnten Sprache und eine neue Lebensphilosophie ein Schlüssel sein. Ich denke jeder von uns darf sich in dieses Leben integrieren, in sein Leben, wenn uns das schwer fällt, oder wir keine Idee davon haben, die Essenz unseres Lebens nicht kennen, woher nehmen wir dann die Offenheit, für uns und Andere? Vielleicht hilft dieser kleine Ausschnitt aus dem kleinen Prinzen, von Antoine de Saint-Exupéry meinen Ansatz etwas zu verstehen:

„Du möchtest also ein Gespräch mit mir?“, fragte Gott.
„Wenn du Zeit hast!“, sagte ich.
Gott lächelte: „Meine Zeit ist die Ewigkeit. Welche Frage würdest du mir gerne stellen?“
„Was erstaunt dich am meisten an den Menschen?“
Gott antwortete: „Dass sie der Kindheit überdrüssig werden und sich dann danach sehnen, wieder Kind sein zu können. Dass sie, um Geld zu verdienen, ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und dann ihr Geld dafür ausgeben, wieder gesund zu werden. Dass sie durch ängstliche Blicke in ihre Zukunft das Jetzt vergessen, sodass sie weder in der Gegenwart, noch in der Zukunft leben. Dass sie leben, als würden sie niemals sterben, um dann zu sterben, als hätten sie nie gelebt.“

Gott nahm meine Hand und wir schwiegen gemeinsam eine Weile.
Dann wollte ich wissen: „Was möchtest du, dass deine Kinder lernen?“
Gott antwortete mit einem Lächeln: „Dass man niemanden veranlassen kann, jemanden zu lieben, sondern zulassen darf, geliebt zu werden. Dass es nicht förderlich ist, sich mit anderen zu vergleichen. Dass eine reiche Person nicht jemand ist, der das meiste hat, sondern vielleicht das wenigste braucht. Dass es nur einige Sekunden braucht, einem Menschen tiefe Wunden zuzufügen, jedoch viele Jahre, diese wieder zu heilen. Dass Vergebung durch gelebtes Vergeben geschieht. Dass zwei Menschen dasselbe betrachten können und es unterschiedlich sehen. Dass es manchmal nicht genug ist, Vergebung zu erhalten, sondern sich selbst zu vergeben. Und dass ich hier bin, immer.“

Wer am Tag träumt, wird sich vieler Dinge bewusst, die dem entgehen, der nur nachts träumt …

Falls den einen oder anderen Leser/Innen meine Zitate und philosophischen Sichtweisen etwas auf den Nerv gehen, zu schwülstig sind, so sei gesagt, dass auch meine Kinder hier mit lesen:-).

 

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10 Gedanken zu “Integration

  1. Das sind schöne Zitate! Ich glaube, dass Integration natürlich von beiden Seiten ausgehen muss. Man sollte sich integrieren lassen wollen und man sollte jemanden integrieren wollen. Natürlich kann man sich nicht integrieren, wenn einen keiner haben will! Und umgekehrt genauso. Und du hast recht, vielleicht reden wir nicht nur rein sprachlich unterschiedlich, sondern denken auch anders. Interkulturell denken als Unterrichtsfach? 🙂 Deinen letzten Satz finde ich lustig. Liebe Grüße, Marlene

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  2. „…ein in Deutschland lebender Türke, Deutschland einen mangelnden Integrationswillen vor“.
    Das könnte man jedem anderen Land auch vorwerfen. Es kommt darauf an wo man hinschaut, denn einerseits wird die Hilfe von Deutschland sehr gern angenommen und andererseits möchte man aber nicht nach dessen Regeln leben. Ich sehe dass es an vielen Stellen vorbildlich funktioniert auf der Basis von Respekt und Toleranz- auf beiden Seiten. Ich kenne einige in Deutschland lebende Türken, die genau diese Aussage da oben nicht teilen, sich sogar oft für ihre Landsleute schämen…. So hat jede Medaille ihre zwei Seiten.

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  3. Und ein weiteres Problem: der Unterschied zwischen Integration und Assimilation. Der ist vielen nicht klar. Sie hätten es gern, das die Menschen sich assimilieren, nennen es aber Integration und wundern sich wenn die Angesprochenen dies verweigern, was ihnen dann natürlich als mangelnden Integrationswillen ausgelegt wird.

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    1. Als ich mal in Damaskus war mit meiner Freundin, musste sie lange Kleider tragen und die Arme bedecken.
      Freunde die in Saudi Arabien arbeiteten, erzählten noch einige andere Sachen.
      Das Angleichen an eine neue Kultur ist in manchen Dingen nicht einfach.
      Drum würde ich nicht nach Saudi Arabien gehen wollen, weil ich weiß, ich könnte viele Sachen wohl nicht übernehmen.

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      1. Ich kenne nur Leute die dort Urlaub machen wollen, niemanden der dort hin will. Ich will es auch nicht. Die Saudis sind …“speziell“. Das ist eine andere Welt. Wenn Deutschland sich sich für etwas besseres hält, muss es sich auch besser verhalten. Wer mir verbietet mich zu bedecken ist aber nicht anders als die Saudis die es mir befehlen.

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      2. Ich sage nicht das die Menschen in Saudi Arabien schlecht sind.
        Wie sollte ich darüber urteilen,
        Ich sage das es für mich nicht einfach wäre dort zu leben, auf Grund der unterschiedlichen Kultur.

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