Der Fußball und ich sind uns irgendwann begegnet, die alten Eintrittskarten habe ich aufgehoben.
Es gibt Menschen, die können sich all die Spiele, Ergebnisse und Ereignisse merken, wie ein Geschichtsprofessor, ich habe die meisten Sachen wieder vergessen.
Ich gehe auch nicht alle zwei Wochen ins Stadion, um meine Statistik zu vervollständigen oder mit dem Smartphone zu dokumentieren “i was here“, nein, Fußball ist für mich eine Art Miniaturwelt.
Fußball spiegelt für mich seine Gesellschaft wieder, in der er gespielt wird.
Gestern Abend mussten die Spieler des BVB, nach einem Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus am Tag zuvor, gegen Monaco spielen. Sie wären, wie sie später in Interviews aussagten, gerne nicht angetreten.
Ein Spiel, welches sich stetig weiter kommerzialisiert, auch und eben gerade der Fußball ist der neo liberalen Marktwirtschaft unterworfen. Immer mehr Spiele, immer neue Pokale, immer mehr Skandale, Bestechungen, Korruptionen.
Die Fans sollen Platz nehmen, zahlen und etwas Spaß haben, die Spieler sollen pflegeleicht, effizient sein und bitte nicht politisch. Stehplätze gelten schon als subversiv.
Schon lange spüren die Fans diese Kommerzialisierung. Es ist so, wie die Bürger den Lobbyismus und die gefühlte Willkür der EU teils satthaben.
Die „Parlamente“ des Fußballs heißen DFB, FIFA, UEFA, DFL.
Es geht um Geld, und wie der nicht geschönte Armutsbericht aussagt, hat das Geld die Macht, Wahlen zu gewinnen, Lobbypolitik zu machen, diese Welt nach seinen Ideen zu formen.
Ein Christian Lindner ( FDP ) forderte gestern in einem WDR-Talk mit drei Mitarbeitern aus der Krankenpflege, die Krankenhäuser, Pflegeheime müssten halt effizienter arbeiten, dann würde sich die Situation wohl verbessern. Welch eine Aussage, Effizienz als Heilmittel gegen das Problem der Effizienz.
Wachstum und Gewinn sollen weiter unser Leben bestimmen. Schauen wir uns Fluchtursachen und Kriegsgründe an, so stellen wir fest, es ist immer noch nicht genug bei denen angekommen, die einen Großteil des Weltvermögens besitzen.
Die Fußballverbände haben ebenfalls noch nicht genug, vielleicht kommt die Zeit, wo eine Mannschaft 7 Tage die Woche spielen soll.
Es gibt nur durch Fans oder Bürger die Möglichkeit diesen Wahnsinn zu stoppen.
Wir sind keine effizienten Maschinen und die Natur dieses Planeten ebenfalls nicht.
Wie sagte gestern der Dortmunder Spieler Nuri Sahin in einem Interview: „Aber wir sind nur Menschen.“ Wenn Fußballverbände, Parlamente, Diktatoren, Könige, Landesfürsten das nicht verstehen, sollten sie, wie Anfangs erwähnt, einen Geschichtsprofessor aufsuchen und ihm nach den geschichtlichen Ergebnissen einer solchen Politik fragen.

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6 Gedanken zu “Muss das Spiel weitergehen?

  1. Ich vermute, dass der Herr Lindner, so er schon mal einen Fuß in ein Pflegeheim gesetzt hat, das mit geschlossenen Augen getan hat. Aber solch eine Einrichtung ist auch nicht gewinnträchtig, also sind Besuche dort nur vor Wahlkämpfen vorgesehen. So ähnlich Site es in Kitas und anderen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Der Gewinn liegt nicht auf der Hand, lässt sich in keinen Bilanzen messen, also wird nur so viel Geld für Erzieher reingesteckt, wie es notwendig ist. Dabei ist eine Investition in die Bildung unserer jüngsten Mitmenschen doch so überaus wichtig. Wobei es nicht darauf ankommt, dass aus diesen kleinen Menschen mal große Manager oder andere Großverdiener werden. Es sollte neben der intellektuellen Ebenso in die emotionale Bildung investiert werden. Damit u.a. ein späterer Politiker wie der Herr Lindner mit offenen Augen und offenem Herzen ein Pflegeheim besucht.
    Sorry, wenn ich hier so viel kommentiere, aber diese Thematik liegt mir sehr am Herzen. So wie du im Fußball, sehe ich diese kalte Gleichgültigkeit besonders gegenüber unseren schwächsten Mitmenschen.
    Ich wünsche dir dennoch ein gutes, langes Wochenende.
    Elvira

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