So ein Leben ist nen Fußballplatz.

Gestern besuchte ich zweimal das Stadion meiner Heimatstadt, die Bielefelder Alm.
Einmal zum Ligaspiel gegen Greuther Fürth und später, am Abend eine Lasershow.
Manche von den Lesern/innen fragen sich sicherlich, warum ich hier oft Zitate bringe und so Weisheiten, anstatt Rezepte, Urlaubsbilder, Buchrezesionen, Politik, Handarbeitskram, Konzertkritik …
Das ist wohl nicht so mein Anliegen. Ich arbeite mich hier an philosophischen Lebensthemen ab, am Leben und seinen kleinen und großen Fragen, auf die ich oft keine Antworten habe.
Als ich anfing mit diesem Blog, war es mehr ein Test aus beruflichen Gründen.
Ich komme aus einem bildungsfernen Haushalt und mein erstes, eigenes Buch gewann ich bei einem Malwettbewerb oder Tombola, ich weiß nicht, welches der Beiden mein erstes war.
Allzu viele Bücher gab es in meiner Familie nicht. Das mag etwas traurig klingen, ist es aber im Grunde nicht. Manche Dinge sind halt, wie sie sind. Das hat meine Liebe zum Buch wachsen lassen und meine Neugier, meine Liebe zur Philosophie, zur Soziologie, zur Psychologie.
Mein Leben verlief bisher in sehr kuriosen Bahnen, wenn ich es mit anderen Lebensläufen vergleiche, aber es gibt bestimmt viele spektakulärere Leben.
Ich wollte Krankenpfleger werden(sagte nach drei Monaten nö) , wurde Erzieher, bin Fotograf und verdiente sogar mal mein Geld als Comedian, war Bundesligamaskottchen, machte manchmal den Moderator und arbeitete lange im Marketing, die Liste ist noch etwas länger und wird weiter fortgeschrieben.
Ich bin einer dieser Menschen, die kein Auto fahren und sich deshalb oft rechtfertigen sollen,  mach ich aber nicht ( mehr). Ich schütte immer meinen Kaffee in das geleerte Honigglas, um auch den Honig an der Glasinnenwand eine Funktion zu geben.
Seit der Jugend bin ich durchs Leben gejoggt, manchmal über den aeroben Bereich hinaus.  Irgendwann in einer Zeit, vor dieser Zeit nahm mich eine Kollegin aus dem Kindergarten mit auf die Alm, da gab es noch eine Stahlrohrtribühne, ein Kuriosum in der Liga.  Block 6 war seitdem ein zweites Zuhause. Dort bekam man die Sonne direkt ins Gesicht und auch den Schneeregen. Heute steht dort die neue Haupttribühne, mit dem VIPs, auch ein Kuriosum, jetzt bekommen die Vielzahler den Schneeregen, samt Westwind um die Ohren. Mein Platz ist jetzt Stehplatz/Südost, Block 4, gut geschützt, nur die Tauben machen ab und an Zielschießen.
Irgendwann auf Block 6, auf dieser Stahlrohrkonstruktion, von der oben immer runtergepinkelt wurde, kam mir die Einsicht, so ein Leben ist wie, auf`m Platz. Ich habe hier schon ein paar Male drüber geschrieben. Wer das Leben verstehen möchte, all seine Facetten, sollte sich ne Stadionkarte seines Heimatvereins kaufen und ein Spiel besuchen.  Als Maskottchen durfte ich sogar am Anstoßkreis stehen und um mich herum 30.000, ich habe Siege und noch mehr Niederlagen erlebt, Aufstiege und Abstiege. Nach all den vielen Auf und Ab’s hab ich mir gesagt, sei Maskottchen deines  eigenen Lebens.
Fußball ist im Grunde immer Teil dieses Blogs, auch wenn er nicht genannt wird.
Erst auf dem Platz habe ich gemerkt und verstanden, dass ich auf dem Platz stehe, auf dem ich nun mal steh.
Fußball, mit all seinem Drumherum ist ein Abbild, eine Art Miniaturwunderwelt.
Wenn Vereinsbosse die Idee haben, eine Liga nach amerikanischen Vorbild zu machen, ohne möglichen Abstieg, wenn Drittligisten immer weniger Geld bekommen, wenn Vereine bei drohender Insolvenz Punkte abgezogen bekommen, obwohl sie kurz vor dem Aufstieg stehen und die Insolvenz mit diesem legalisiert werden würde, all das und noch viel mehr, zeigt mir, wie unsere Gesellschaft gerade funktioniert. Da ist mehr, als einiges in Schieflage geraten.
Wenn sich Firmen Vereine kaufen, wenn Parlamente immer mehr von Lobbyisten gesteuert werden, dann verändern sich die Spielregeln und der Sport.
Ich mag das Spiel, die Niederlagen, die Siege, die Spiele, die Gesänge, die Fans, die Regeln, die Schiedsrichter, die Crew der Frittenbude unter Block 4, welche dem Begriff Zeitlupe eine neue Dimension verleiht.
Aber mir ist etwas Bange, vor einem möglichen Abstieg von Arminia und vor den Menschen, die reich werden am Fußball, im Leben und nicht genug vom Geld bekommen können und so dem Sport, dem sportlichen Geist, der Gesellschaft schaden, ja ihn, sie gar verraten. Wenn Vereine ihre Mitglieder entmachten, sie nicht mehr an Entscheidungen beteiligen, ist es, wie mit einer schwindenden Demokratie.
Spätestens, wenn die Fans das Handtuch werfen, der Liga den Rücken kehren, den „Lexit“ machen, sollten die Firmenmanager, der Geldadel gewarnt sein, denn wenn es im Fußball kocht, dann fliegen Spieler vom Platz.
Aber noch ist es nicht soweit, die Bayern sind zum,  …, ach egal, Meister, Dortmund steht im Pokal,  Arminia kämpft, zum, …, ach egal, gegen den Abstieg und ich werde heute das Spiel der U23 besuchen, Wetter ist gut und der Kaffee schmeckt dort und gespielt wird auf dem Platz. Ich jogge nicht mehr durchs Leben, meine Zeit als Stürmer ist vorbei, aber auch als Balljunge oder Platzwart ist es ganz nett.
So werde ich auch hier weiter meine Gedanken auf den Platz schicken, sprich in diesen Blog.

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Ein Gedanke zu “Machmal stehste im Abseits

  1. Der Gedanke kam mir auch schon des öfteren. Ich sehe mit Sorge die Entwicklungen im Fußball, auch was sich regeltechnisch und technisch (ich sag nur Videobeweis) tut, wie sich die Vereine gestalten und entwickeln. Mir gefällt dieses schneller, höher, weiter, das eben auch irgendwie nur noch im Leben zählt, gar nicht.
    Mein Lebenslauf ist auch bunt, ungerade und gleichmäßig eigentlich nur in der Betätigung an sich. Ich war im Ausland, bin wieder zurück gekommen. Ich bereue nicht eine meiner Stationen, jede hat mich auf ihre Art eine Menge gelehrt. Ich sehe meine Aufgaben auch nicht mir im Angestelltenverhältnis, sondern darin, selbst zu bestimmen, wie es läuft. Und natürlich in der Erziehung meines Kindes.

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