Letzte Woche war der Tag der Hebammen und ich hatte mir fest vorgenommen, etwas zu dem Thema zu schreiben. Doch oft kommt es ja bekanntlich anders, als man denkt.
Ich durfte vor einigen Jahren die 2 Hausgeburten meine Kinder miterleben, vor der Geburt haben wir uns 2 Krankenhäuser angeschaut, eines ist um die Ecke.
Nun ist eine Geburt keine Krankheit und Feuerwache und Krankenhaus sind bei uns in unmittelbarer Nähe, also Risiko minimierende Argumente in unserem Fall.
Die Geburten waren die bisher schönste Sache, welche ich erleben durfte. Sie verliefen unproblematisch und es war ein sehr persönlicher Vorgang. Eine Hebamme war eine Bekannte aus Jungendtagen, die andere unsere Nachbarin.
In dem Haus wurden früher schon mehrere Familienmitglieder in die Welt entsendet.
Soweit, so schön. Doch den Hebammen geht es an die Existenz, diesem jahrhundertealten Beruf geht es an die Substanz, genauso, wie den Krankenhäusern. Wenn der liberale Politiker Lindner von diesen mehr Effizienz einfordert, klingt es, wie Hohn.
Aber die Umfragewerte der FDP gehen in die Höhe.
Ruft man als Kassenpatient bei einem Facharzt an, so darf man laut Studie im Schnitt 27 Tage warten, meine Erfahrungen sind deutlich höhere Wartezeiten. Es empfiehlt sich einmal den Test zu machen und zu sagen man sei Privatpatient, man erlebt Erstaunliches. Oder der Kieferorthopäde, welcher einem durch die Blume sagt, sollten sie nur die Kassenleistungen nehmen, wird es schwierig mit einem Termin.
Warum also Hausgeburten, warum überhaupt Kinder in eine Welt setzen?
Eine Welt, ihn der ein Teil der Menschen, welche sehr reich sind, Maß und Ethik verloren zu haben scheinen, diese Welt aber steuern und bestimmen. Leider musste in dem neusten Armutsbericht dieser Passus gestrichen werden. Aber die wachsende Anzahl von Kinderarmut steht immerhin drin.
Es ist Wahljahr und jede Partei schreibt sich das Thema Bildung auf die Fahnen, aber Bildung und Prägung findet zum Großteil in den Familien statt, wenn diese aber arm bleiben, wenn Löhne gesenkt werden, wenn es bald kaum noch Festverträge gibt, wenn Arbeit digitalisiert wird und von den riesen Gewinnen bei den Menschen nichts ankommt, sie eher noch für Fehler dieser kleinen Gruppe, wie bei der Bankenrettung bezahlen sollen, dann ist die Forderung nach mehr Bildung, weniger als der Tropfen auf dem berühmten heißen Stein. Wir dürfen uns eher eine Meinung bilden, eine Meinung über Menschen, die von uns mantraartig mehr Effizienz einfordern, aber selber im Übermaß leben.
Doch es ist kurios, die Wahlvölker wählen nicht diese Eliten ab, sondern wenden sich ihnen in ihrer neuen Verpackung zu.
Ich denke, wir sollten uns für die Hebammen einsetzten, für eine natürliche Welt, der Slogan soziale Demokratie sollte nicht zu einer Art Waschmittelwerbung verkommen, die Sauberkeit verspricht, aber unser Wasser auf Dauer vergiftet.
Soziale Gerechtigkeit wird das Thema der Zukunft und diese hat schon lange vor ihrer Geburt begonnen.

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9 Gedanken zu “Von Hebammen und Hausgeburten

  1. Ich finde auch, dass für jede Schwangere/ Gebärende/ junge Familie eine gute Hebamme zur Verfügung stehen sollte und das Dilemma mit der Haftpflicht ist schier unerträglich.
    Allerdings muss ich persönlich auch sagen, dass ich bei Erfahrung mit 5 freiberuflichen Hebammen und diversen in Kliniken angestellten, aus meiner Sicht nur eine einzige wirklich kompetent war.
    Drei von den Freiberuflerinnen hatten vom Stillen keine Ahnung (z.B. „oh, Brustentzündung – dann müssen Sie abstillen!“).
    Eine hat mir, nach dem von mir absolut ungewünschten Kaiserschnitt, eingeredet, ich sei selbst Schuld obwohl sie die Geburt betreut hatte. Dass ihr einfach die nötige Erfahrung mit komplexeren Geburten fehlte, kam ihr nicht in den Sinn.

    Beim dritten Kaiserschnitt würde ich wegen angeblichen „Wunschkaiserschnitts“ von der Hebamme wie Dreck behandelt. Dass man mir keine Wahl gelassen hatte, interessierte sie nicht.
    Überhaupt verteufelten alle Hebammen die Kaiserschnitte, hatten aber in Sachen Techniken, die helfen Kaiserschnitte zu vermeiden, keine Ahnung. Nach den traumatischen OPs hieß es dann nur „Pech gehabt“ oder aber auch „sie haben halt dem Chefarzt nicht widersprochen“ (klar nach 6 Stunden Wehen alle 2 Minuten und einem Muttermund der sich nicht weiter öffnet, widerspreche ich dem Arzt, der sagt, da stimmt was nicht!).

    Und selbst die Hebamme, die ich als kompetent bezeichnen würde, versuchte mir bei jeder Gelegenheit Globuli anzudrehen anstatt mich in dem Glauben zu bestärken, dass die Selbstheilungskräfte enorm sind und auch ohne Wundermittelchen aktiv werden können.
    Hätte ich ein viertes Kind ausgetragen, auf eine Hebamme hätte ich nicht nur deshalb verzichtet, weil eine natürliche Geburt ausgeschlossen gewesen wäre.
    Die Hebammen haben sich zu einem gewissen Teil ihr berufliches Grab selbst geschaufelt – durch Inkompetenz und Esoterik.

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    1. Ich habe diese Erfahrung nicht machen können, eine war die Frau des Pfarrers😉, ich danke für deinen ausführlichen Kommentar.
      Die letzte Aussage ist mir persönlich ein wenig zu pauschal, aber ich denke deine Erfahrungen waren für dich sehr bewegend.

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  2. Die Henammen müssen definitiv mehr Unterstützung erfahren. Durch uns, aber auch durch die Politik. Die hohen Versicherungspolicen können sich freiberufliche Hebammen kaum noch leisten.
    Dem Thema Wartezeiten auf einen Arzttermin kann ich nur zustimmen. Aber auch das sind Probleme, die zum Teil durch politischeVorgaben entstanden sind. Da gibt es sogenannte DMPs für bestimmte Krankheiten wie Diabetes, KHK oder Asthma. Diese Programme waren zunächst dafür gedacht, Menschen mit diesen Krankheiten eine bessere und regelmäßigere Betreuung ihrer Ärzte anzubieten. Anfangs wurden die Patienten damit geködert, dass ihnen die Praxisgebühr erstattet wurde, wenn sie den Nachweis erbrachten, dass sie sich haben Einschreiben lassen. Die Krankenkassen hofften, dass sich Folgekosten durch nicht ausreichend therapierte Krankheiten (Amputationen bei Diabetikern z.B.) minimieren ließen. Ich weiß nicht, ob die Rechnung aufgegangen ist. Denn auch wenn jetzt die Praxisgebühr weggefallen ist, bleiben die Patienten in den Programmen. Aus Sorge, dass ihnen irgendwann Repressalien drohen. Diese Menschen machen alleine in meiner Praxis Dreiviertel aller Patienten aus. Und diese Patienten müssen jedes Quartal einbestellt werden. Das bedeutet, dass nur ein Viertel unserer Termine für ganz „normale“ Erkrankungen vorgehalten werden kann. In unserer Praxis arbeiten vierÄrzte, zwei werden zusätzlich eingestellt, damit wir diesen Patienten eine nicht zu lange Wartezeit aufbürden müssen. Täglich gibt es außerdem Zeiten für akut Erkrankte. Und ja, es gibt auch bei uns Sprechzeiten für Privatpatienten außerhalb derer für Kassenpatienten. Aber auch diese müssen in der Regel zwei bis drei Wochen warten, auf kardiologische Diagnostiktermine sogar bedeutend länger. Dass etwas schief läuft in unserem System (nicht nur im Gesundheitssektor) ist unübersehbar.

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