Heute las ich, dass die letzte Sturmflut an der Nordsee den Strand von Wangerooge weggespült hat.
Ich war beruflich an vielen Stränden Europas, über Jahre und kenne dieses Phänomen. Die Costa Brava Strände gebe es ohne jährliche Aufschüttungen nicht, so wie wir sie teils kennen.
An der französischen Atlantikküste, im beschaulichen mini Ort Le Pin Sec hätte es das Meer fast durch die Dünen geschafft.
Auf Sardinien machen sich die Auswirkungen eines steigenden Meeresspiegels langsam bemerkbar.
Hinzu kommen extremere Wetterlagen.
Eine Menge wird da weggespült, ging es mir beim Nachdenken zu diesem Thema durch den Kopf. Nicht nur Strände. Ganze Berufe verschwinden mit der Digitalisierung, neue Rohstoffe werden benötigt, Alte sind fast aufgebraucht, Traumstrände verschwinden, Beziehungen, Freundschaften brechen.
Die weltweite Politik erlebt Extreme. Den Kopf in den Sand zu stecken erscheint nicht mehr sinnvoll, spült ihn schon die nächste Welle wieder frei.
Atze Schröder, Comedian erzählte letztens im TV von seiner Weltreise und wie hektisch und kurios ihm die Menschen auf einmal Zuhause vorkamen. Viele von uns schlittern in eine Depression oder Burn Out, wie immer man es nennen mag.
Die Frage stellt sich, wie konnte es zu all dem kommen? Was haben die hier kurz skizzierten Ereignisse gemeinsam?
Zur Zeit leben wir in einer Epoche des Kapitalismus, dieser folgte dem Feudalismus und den Merkantilismus.
Ein Herzstück eines jeden Einzelnen im Kapitalismus ist das Streben nach Gewinn. Nehmen wir zum Beispiel mein altes i iPhone 4s, oft belächelt, weil es schon 3 Jahre alt ist. Ich habe durchaus einen Gewinn, wenn es noch länger hält, die Natur ebenfalls und möglicherweise die Tierwelt.
Die Firma Apple allerdings nicht, sie muss jeden Tag versuchen neue iPhones zu verkaufen, Neue zu entwickeln. Apple versucht sogar noch mehr, die Firma will kontinuierlich zu wachsen, also den Gewinn maximieren, sprich die Preise zu erhöhen, den Bedarf zu steigern.
Apple gehört keiner Privatperson, wie mir mein iPhone gehört, Apple ist eine Aktiengesellschaft. Sie gehört Aktionären und die sind zum Großteil nur an einer hohen Gewinnausschüttung interessiert, an der Steigerung ihrer Aktiengewinne.
Die Natur und Tierwelt mag da bei dem Einen oder Anderen an dritter Stelle stehen.
Aber was hat das nun mit Wangerooge zu tun?
Was hat die AIDA vor Palma de Mallorca mit Wangerooge zu tun, unser nächster Thailandbesuch per Ferienflieger, unser jährliches neues iPhone?
Wir konsumieren und unser Verhalten hat Auswirkungen, auf uns selbst, auf die Natur, auf unsere Welt.
Heute ist neben Halloween der Reformationstag, ein Herr Luther nagelte mit Reformwünschen eine Kirchentür voll. Bei Halloween geht es unter anderem um das Vertreiben böser Geister.
Mir scheint, beides passt zusammen, wir benötigen eine Reform unseres Denkens und Lebens, so können wir ein paar der bösen Geister, die uns umtreiben loswerden.
Das Wasser wird bleiben.

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8 Gedanken zu “Das Wasser kommt näher!

  1. Ich mag deinen Text, er fastt vieles gut zusammen, das Video ist eindrücklich und ich sage auch; Recht hast du!
    Dann aber sagen wir immer wieder: das Leben ist Wandel (sicherlich ist dieser Wandel menschengemacht, zu viel Ausbeutung, zu viel Verschmutzung etc.), und auch wenn es kein Trost ist, die Erde wird auch diesen Wandel überleben, wenn auch vielleicht viele Menschen, Tiere und Pflanzen nicht, doch selbst das wäre ja nicht das erste Mal…
    Verstehe mich nicht falsch, weniger ist und bleibt mehr!!!
    herzlichst
    Ulli

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe mit meiner Familie den Sturm an der Nordsee (Wangerland!) miterlebt und auch hier wurde viel Strand weggespült. Dabei habe ich nicht an Apple (Samsung&Co sind auch nicht besser) oder so gedacht. Ich habe die Wucht der Natur bewundert, ihre Kraft gespürt, die auch meine Kraft wieder belebte, und mir wurde klar, dass es immer weiter gehen wird. Leben und Sterben. Die Natur holt sich alles zurück. Irgendwann. Durch unser Konsumverhalten helfen wir ihr dabei, dass das alles etwas schneller geht. Mir tun die Menschen leid, die darunter leiden müssen. Die Menschen, die schon immer unter unserer Ausbeutung zu leiden hatten. Aber wie gesagt, als ich so im Sturm stand, war mein Kopf absolut frei.

    Gefällt 1 Person

  3. Ich denke der Natur geht es nicht darum dicht etwas zurück zu holen, es wäre für mich eher ein menschlicher Gedanke.
    Ich würde meinen, die Natur reagiert einfach, biologisch und physikalisch.

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