Nein, ich bin kein Kind des Ruhrgebietes, ich komme aus Ostwestfalen, aus der Stadt mit dem Running Gag, dass es sie nicht gibt. So hält sich mein Wehmut in Grenzen, wenn die letzte Zeche, Prosper-Haniel in Gelsenkirchen ihre Tore schließt. In meiner Heimat gab es früher eine Menge Unternehmen im Textilbereich, viele gibt es nicht mehr. Gerry Weber, eines der letzten Großen in der Region geht es wirtschaftlich nicht sehr gut. Die Globalisierung und insbesondere die Digitalisierung verändern unsere Berufswelten.

Die Förderung der Kohle fällt dem Wandel in der Energiegewinnung zum Opfer, Steinkohle lässt sich im Ausland günstiger einkaufen, als in Deutschland abbauen. Kohle und Stahl haben das Ruhrgebiet geprägt, die damit verbundenen Berufe haben einen speziellen Menschentyp geformt. Es wird sich zeigen dürfen, ob dieser Typus dem industriellen Strukturwandel überlebt. Unter Tage war man auf seinen „Kumpel“ angewiesen. Wenn es um Arbeitskämpfe ging, waren die „Malocher“ aus dem Ruhrgebiet die „Franzosen“ unter den deutschen Arbeitern. Ich hab in meiner kurzen Zeit, in der ich im Ruhrgebiet lebte, offene, ehrliche und sehr direkte Menschen kennengelernt, ohne Berührungsängste. Es bleibt zu hoffen, dass sie sich ihre Eigenart bewahren.

Das Steigerlied wird sicherlich weitergesungen werden und Fußball wird sowieso gespielt. Wenn also jetzt die Zeche dichtmacht, ist die letzte Vorstellung gelaufen und der Vorhang fällt, aber das Theater bleibt, einzig der Spielplan geht in eine neue Saison. In diesem Sinne wünsche ich den lieben Nachbarn im Ruhrgebiet „Glück auf“ und es sei gesagt, auch Ostwestfalen hat seine schönen Ecken.

Das Steigerlied wäre mir an dieser Stelle zu sentimental, daher bemühe ich diesen alten Song in einer Cover Version:

 

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19 Gedanken zu “Tschüß Kumpel

  1. Du weißt ja, dass ich auch aus Ostwestfalen komme, aber ich hatte Verwandte im Ruhrgebiet, in Dortmund-Hörde, und mich hat der ungeheure Kontrast zwischen den rußgeschwärzten Häusern und den prächtigen farbenfrohen Kleingärten direkt dahinter immer ungeheuer fasziniert. Die Menschen der Gegend, denen ich sonst begegnete, fand ich auch immer sehr sympathisch. Ja, hoffen wir, dass dort nicht alles einstürzt.

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  2. Ich denke, so viel wird sich nicht ändern – der Bergbau ist ja nun nicht über Nacht verschwunden. Mit Wehmut betrachten tu ich das allerdings auch. Ich lebe seit fast 5 Jahren in Essen, stamme allerdings aus Berlin. Da gab es keinen Bergbau, Angehörige habe und hatte ich hier auch nicht, und trotzdem hat mich das Thema schon immer irgendwie fasziniert. Deswegen krieg ich auch sentimentale Anwandlungen beim Steiger Lied 😉
    Alles hat eben seine Zeit….

    Gefällt 1 Person

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