Jeder kennt es, man wacht auf und schwubs meldet sich ein erster Gedanke. Im Grunde steckt in diesem kurzen Satz schon ein gedanklicher Fehler, denn auch im Traum, melden sich unsere Gedanken. So ist womöglich der erste Gedanke nach dem morgendlichen Aufwachen, was wir denn da wieder geträumt haben. Sekunden später aber ist dieser Gedanke in den meisten Fällen verflogen und schon folgt ein Nächster, sei es der Müllwagen vor dem Haus, der einen daran erinnert das man vergessen hat seinen Müll noch rauszubringen.

Spätestens in diesem Moment, ist unser Gedankenapparat in vollem Gang, die einzelnen Gedankenstränge geben sich in unserem Körper sprichwörtlich die Klinke in die Hand.
Doch wie funktioniert das denn mit den Gedanken, warum kommen sie, woher kommen sie und wie werde ich manche gedanklichen Plagegeister wieder los?
Ich fasse meine Recherchen einmal, in ein paar kurzen Sätzen zusammen, eine plausible, wissenschaftliche Erklärung habe ich nicht finden können, die Wissenschaft ist noch dabei, sich viele Gedanken über eben diesen zu machen.

Digitale Denkmaschinen werden mit Wissen gefüttert, programmiert und mit Algorithmen vollgepumpt.
Wir Menschen hingegen haben Erfahrungen gemacht, Eindrücke, Muster abgespeichert, wenn wir also plötzlich an Grünkohlsuppe denken, liegt es möglicherweise an dem Geruch im Hausflur.
Viele unserer Gedanken werden sprichwörtlich getriggert, etwas bringt eine abgespeicherte Erinnerung wieder zum Vorschein. Manchen Menschen bekommen beim bloßen Wort Zahnarzt schon Zahnschmerzen, oder das Wort Zitrone regt ihren Speichelfluss an.

Aber es bleibt die Frage, ob alle unsere Gedanken aus unseren Erfahrungen, unserer Sozialisation, unseren gewonnenen Eindrücken entstehen.
Viele Faktoren beeinflussen die biochemischen Prozesse in unserem Körper, ob es der mittlerweile recht bekannte Serotonin Wert ist, oder ein Mangel / Überschuss an Vitaminen, Mineralien oder Hormonen etc.. Mittlerweile ist man sich sicher, dass Parasiten, welche uns ungewollt bevölkern, unsere Gedankenwelt in Teilen beeinflussen können.

Seit dem Buchbestseller rund um den Darm, wird auch von einem Darmgehirn gesprochen. Also resultieren unsere Gedanken womöglich nicht nur aus den 2 % Gehirnmasse, wie lange Zeit geglaubt wurde, sondern ebenso aus unserem größten Organ im Körper, dem Darm.
In jedem Fall lassen sich menschliche Gedanken beeinflussen, zum Beispiel durch Farben, Gerüche, Töne, Wetter, Bilder, Materialien und vieles andere mehr.
Bei so vielen Gedanken und Möglichkeiten stellt sich die Frage, ob wir denn überhaupt Herrin oder Herr unserer Gedanken sind.

Ein Flugkapitän schaltet mittlerweile, wenn sein Fluggerät darüber verfügt, öfter auf Autopilot. Wie viel Autopilot steckt in uns Menschen, in unseren Gedanken?
Manchmal, insbesondere am Montagmorgen, passiert es, dass man aus einem glückseligen Traum aufwacht und einem Moment benötigt, um sich der gedanklichen Realität anzupassen, es war leider nur ein Traum, es ist Montag und der Alltag ruft. Angeblich haben wir zwischen 50.000-70.000 Gedanken im Durchschnitt am Tag, davon sollen laut Studien nur 3-15% positive Gedanken sein.
Was allerdings nicht bedeuten muss, dass der Rest aus negativen Gedanken bestehen muss.
Viele Gedanken würde ich, unwissenschaftlich, als neutral bezeichnen, zum Beispiel die Sache mit dem Grünkohl, mich stört der Geruch nicht, er macht mich aber auch nicht zwingend glücklich, aber im negativen Fall erinnert er mich an die Nachbarin, aus deren Wohnung der Geruch kommt, hat sie mich doch vor Tagen, wegen der schmutzigen Treppe gemaßregelt.
Unsere Gedanken üben gleichsam einen Einfluss auf unsere Körperfunktionen aus, sie geben Befehle, lassen uns Glückshormone ausschütten, oder Stresshormone. Sie können Schmerzen hervorrufen oder Schmerzen lindern und gänzlich verschwinden lassen. Gedanken bringen uns weiter oder lassen uns stillstehen. Letztendlich sind unsere Gedanken der Mechanismus, mit dem wir uns, mit unserem Leben auseinandersetzen, bisher weiß niemand wirklich, wie Gedanken und Erinnerungen funktionieren. Etwas mehr weiß man zum Thema, wie sich unsere menschlichen Gedanken beeinflussen, manipulieren lassen. Dieses liegt am menschlichen Streben nach Macht, finanziellem Gewinn und an seinen Ängsten.

Ich würde meinen, dass negative Gedanken uns am meisten gedanklich beschäftigen.
Manchmal machen sie uns krank, sie bezwingen zu wollen führt oft zu mehr negativen Gedanken.
Bei 50-60 Gedanken die Minute, ca. 60.000 pro Tag, ca 22 Millionen im Jahr ist die Wahrscheinlichkeit groß, wieder positiver zu denken, wenn man in einem negativen Gedankenkreislauf feststeckt, oft reicht manchmal schon ein Positionswechsel, denn unser G-Apparat rattert permanent.
Ein „Think positiv!“, auf einem Werbeplakat, oder als Spruch,  mag nett klingen, aber es setzt den einen oder anderen Zeitgenossen unter Druck. Wie positiv denken, wenn man gerade nur negative Einwürfe aus seinem Oberstübchen bekommt, oder woher auch immer?

Da würde ich eher den alten Werbespruch des Unternehmens mit dem Apfel wählen, think different, wo wir wieder beim Positionswechsel wären.
Ich kann den Hausflur mit dem Grünkohl verlassen und ins Café gegenüber gehen, wo es immer nach geröstetem Kaffee duftet, oder ich öffne einfach das Flurfenster.
Letztendlich kann ich auch selbst Grünkohl kochen, irgendwann nimmt man den Geruch gedanklich einfach nicht mehr wahr.
Bevor ich gedanklich zum Grünkohl Rezept abschweife und den Faden hier verliere schnell noch ein Zitat:

Du kannst die Wellen nicht stoppen, aber du kannst lernen zu surfen.
Jon Kabat-Zinn

Mich wundert es, das wir uns mit künstlicher Intelligenz bereichern wollen, aber uns so wenig mit der Wissenschaft zum Kommen und Gehen unserer Gedanken beschäftigen.

3 Gedanken zu “Grünkohl im Kopf!

  1. Ach ja, wie gut ich das kenne. Letzte Nacht: von ein bis drei Uhr geschlafen, aufgewacht, irgendwann bis fünf Uhr wieder eingeschlafen und das war’s dann. Aber: gerade keine akuten Probleme, nichts Gravierendes, trotzdem – harmloses – Gedankenkarussell bis kurz nach sieben, wobei vorher schon der Krähenschwarm und der Baustellenbeginn störten. Tja… Kurz vor halb acht nickte ich wieder ein beim größten Lärm und da klingelte der Wecker. Mal hilft es, auf der rechten Seite zu liegen, mal auf der linken, mal auf dem Rücken, je nach Stunde, habe es auch noch nicht raus. Gute Nacht!

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  2. Morgen ist Supervollmond und viele Menschen reagieren 1-2 Tage vorher.
    Er ist der Erde sehr nah, was zu Springfluten und Bewegungen der Erdkruste führen kann.
    Möglich das er auch den Menschen bewegt😉

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  3. Das würde mich auch mal interessieren, warum wir so funktionieren (oder eben auch nicht)… und das mit den Parasiten ist meines Erachtens extrem unterschätzt.

    Jedenfalls musste ich, als ich die Überschrift las, an Louis de Funès denken 😉
    Apropos Gedanken.

    Gefällt 2 Personen

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