Überleben in digitalen Zeiten

Ein Satz vorab, ich bin der digitalen Welt aufgeschlossen, es gab immer Zeiten größerer Veränderungen, man stelle sich vor, wie es vor der Erfindung des Rades zugegangen ist. Die großen Erfindungen der Menschheit hatten meistens im Sinn, Abläufe, Handlungen zu vereinfachen. Fast immer änderte sich mit all diesen neuen Errungenschaften auch die Form von Kommunikation, das Verhalten der Menschen, man denke an die Erfindung des Drucks. Diese Veränderungen hatten und haben oft vielerlei Gründe.

Mit dem Neuen verschwindet oft das Alte. Wir Menschen hängen an Dingen,wir mögen sich wiederholende Abläufe, sie geben Sicherheit und unseren Leben eine Struktur. Neuerungen werden daher nicht von allen Menschen mit offenen Armen und Herzen begrüßt. Insbesondere, wenn sie einem möglicherweise den Arbeitsplatz kosten, oder selbstbestimmte Freiheiten nehmen.

Geht man einige Jahre gedanklich zurück, zur Erfindung des Automobils, so stellt man fest, dass es erst wenig Regeln gab, für das Zusammenspiel vom Automobil und dem Menschen. Heute gibt es Airbags, Verkehrsregeln, einen ganzen Schilderwald, GPS, ABS und nicht zu vergessen sensorische Einparkhilfen. Vergessen hatten all die Erfinder und Wissenschaftler allerdings das Prinzip des Verbrennungsmotors, da hielten sie lange am Alten fest.

Nun ist jedem wohl bewusst, Veränderungen lassen sich nicht aufhalten, jede Form sich vor die Digitalisierung zu schmeißen, um sie aufzuhalten, ist zwecklos. Die Digitalisierung ist ja auch nicht vom berühmten Himmel gefallen, sondern wir Menschen haben sie uns ausgedacht, wie schon so Vieles. Gefühlt scheint die Menschheit gar in einen digitalen Wettlauf zu sein, Alles und Jedes digitalisieren zu wollen.

So lernt man sich nicht mehr auf Partys kennen, im Job oder auf Hochzeiten, sondern im Internet oder Dating-Apps. Ohne smartes Phone wagt sich kein Mensch mehr vor die Tür, ohne GPS fährt niemand mehr mit dem Auto in den Urlaub, kaum ein Arbeitsplatz ohne Bildschirm und am Servicetelefon spricht die Computer Stimme.

Manches erscheint skurril, Einiges gefährlich, manches lustig, anderes fühlt sich tragisch an. Wo mag wohl der Pferdefuß der Digitalisierung liegen, sind es fehlende Regeln, die Sammelei von unendlich viel Daten, der Verlust von Jobs, wo neue Berufe entstehen, die Erschaffung künstlicher Intelligenzen? Gestern, beim Essen in einem netten Lokal kam mir meine persönliche Antwort in den Sinn, als ich sah, wie viele Menschen ein Smartphone nutzten oder es auf dem Tisch liegen hatten, mich eingeschlossen. Es ist der Verlust von Kommunikation und Aufmerksamkeit.

Wäre dieser Text ein Film, käme jetzt eine Denkpause, eine lange Sequenz, ohne Text und Musik.

Ich habe einmal Siri gefragt, was Aufmerksamkeit bedeutet:

Aufmerksamkeit ist die Zuweisung von Bewusstseinsreccourcen auf, Bewusstseinsinhalte. Das können zum Beispiel Wahrnehmungen der Umwelt oder des eigenen Verhaltens und Handelns sein, aber auch Gedanken und Gefühle. Als Maß für die Intensität und Dauer der Aufmerksamkeit gilt die Konzentration.

Ich meine zu bemerken, dass sich die Art, wie wir kommunizieren, unser Verhalten dabei sich verändert. Ich möchte jetzt gar nicht all die Beispiele aufzählen, jeder kann sich einmal die Mühe machen zu beobachten. Einen großen Verlust, den die Digitalisierung mit sich bringt, ist unser persönlicher Bezug zur Natur. Die digitalisierte Welt erscheint mächtig, schlau, perfekt, alles immer abrufbar, aber sie ist nicht natürlich. Das Rotkehlchen, welches vor ein paar Tagen neben meiner Gartenliege hüpfte, ist es, der Regen, der gerade auf meine Schreiben tropft, ist es. Früher habe ich lange Zeit damit verbracht, als Kind Ameisen zu Beobachen, oder Wespen. Wir leben auf einen sehr natürlichen Planeten und auch die Natur nimmt jeden Wandel wahr und reagiert, wandelt sich, erneuert sich. Ein Computerchip aus China wird uns letztlich nicht satt machen, ein 3 D Drucker uns kein Wasser hervorzaubern.

Wenn wir etwas Schlaues machen können, mit all diesen digitalen Neuerungen, dann wäre es sinnvoll diesen Planeten näher kennenzulernen, die Natur zu verstehen und mehr mit ihr zu leben, Digitales nutzen um sie so zu erhalten, das dieser Planet für die Menschen lebenswert bleibt. Die Digitalisierung lässt uns im Moment scheinbar die Demut vergessen, mit der wir der Natur gegenübertreten sollten. Womöglich wird die Natur sie eines Tages von uns einfordern, sie benötigt keine künstliche Intelligenz dazu.

Ich habe Siri zum Schluß noch eine Frage gestellt:

Hey Siri, müssen wir vor der Digitalisierung Angst haben?

Siris Antwort und die möchte ich als Zitat hier stehen lassen:

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe.

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4 Gedanken zu “Überleben in digitalen Zeiten

  1. Ja, die Digitalisierung kann Fluch und Segen sein. Segen zum Beispiel als Arbeitserleicherung und zum schnellen Auffinden von Informationen, Fluch, wenn sie sehr viele Arbeitsplätze zerstört (das Ausmaß ist bislang noch gar nicht absehbar, diverse Studien bringen sehr konträre Ergebnisse), wenn sie uns gläsern macht (was schon der Fall ist bzw. wir machen uns ja oft selbst freiwillig gläsern – und den meisten Menschen ist es piepegal) und vor allem, wie du auch sagst, wenn sie Aufmerksamkeit für die reale Umwelt und Kommunikation mit den „Nächsten“ zerstört. Beides kann man aber zulassen oder auch nicht. Ich habe kein GPS und kein Smartphone. Mein 14 Jahre altes Handy nehme ich nur mit außer Haus, wenn ich längere Autofahrten mache, um notfalls Hilfe zu holen. Ich empfinde es als Unsitte und respektlos, was ich täglich beobachte: Paare oder Freunde im Restaurant, die nicht miteinander reden, sondern jeder für sich auf ihre Displays gucken. Mütter und Väter, die ihren Kindern in Kinderwagen keines Blickes würdigen, sondern – na was wohl – auf ihre Smartphones gucken. Sie sehen auch das Rotkehlchen nicht mehr, sie hören nicht den Wind in den Bäumen rauschen, sie nehmen auch andere Mitmenschen nicht wahr. Und was die Informationen von Siri, Alexa oder auch Wikipedia betrifft, so müssen sie längst nicht wahr und objektiv sein, speziell Wiki hat sehr eigenen Auswahlkriterien, da wird nach Belieben selektiert und Informationen werden teilweise sehr subjetiv dargestellt.

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  2. Ich möchte noch was ergänzen, um nicht missverstanden zu werden: Ich bin kein asketischer Mensch und kein Verzichtsfanatiker, sondern ich lebe so, weil es mir natürlich entspricht. Ich habe einfach kein Bedürfnis nach permanenter Medien- und Nachrichtenüberflutung, ich will selbst nicht immer erreichbar sein und ich mag es lieber, meine reale Umwelt wahrzunehmen. Mir genügt es, bei Bedarf das Internet zu nutzen am heimischen Laptop. Ich weiß aber auch, dass Menschen wie ich mittlerweile beäugt werden, als seien wir von einem anderen Stern, also doch Alien, lach. WordPress ist mittlerweile die einzige Plattform, auf der ich mich noch öffentlich äußere.

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