Altern

Wir verbinden Älterwerden oft mit dem Alter ab 40-50, denn spätestens ab diesem Altersjahrzehnt kehrt sich etwas im Zeitgefühl um, die Zeit geht vielen Menschen dann nicht zu langsam voran, sondern zu schnell.
Dabei altert der Mensch schon von seiner Geburt an. Das Altern ist für viele Menschen ein unheimlicher, oft negativer Begriff.
Im Moment taucht manchmal der Begriff Boomer auf, er bezieht sich auf die Menschen, welche in den geburtenstarken Jahrgängen der 60er Jahre geboren sind und ist eine Art Stigmatisierung für alte ideologische Ideen.

Aber bleiben wir dabei, wir alle altern sekündlich ob mit 7 Jahren als Grundschüler, als Rechtsanwalt in den sogenannten besten Jahren, mit 35, oder mit 90 Jahren im Pflegeheim.
Ich würde behaupten, dass mit dem alternden neoliberalen Kapitalismus und den daraus resultierenden Folgen, den neuen  Mantren der sogenannten Ökonomie, das Altern einen schlechten Ruf bekommen hat.
Ein 2 Jahre altes iPhone ist alt, ein 50 Jahre alter Grafikerdesigner ist alt, die Skijacke von vor 3 Jahren ist alt. Der Turbokapitalismus mit seinen globalen Auswirkungen lässt uns das Altern als etwas negatives erscheinen. Aber da ist in meiner persönlichen Erinnerung zum Thema Altern, der erste Familienfernseher (heute Flachbildschirm genannt), der es auf immerhin 25 Jahre brachte, die Küchenmaschine verrichtet seit 45 Jahren ihren Dienst und der Durchlauferhitzer in der elterlichen Wohnung brachte es auf sensationelle 45 Jahre, als er immer noch nicht defekt ausgetauscht wurde. Der Installateur hat ihn als Relikt behalten.
Heute ist es die eingebaute Obsoleszenz, welche die Geräte schnell altern lässt, ein Kondensator (Kosten ca. 25 Cent) in einem Flachbildschirm, ist auf 5 Jahre Lebensdauer ausgelegt.

Haben wir Menschen eine eingebaute Obsoleszenz? Ist es schlecht, wenn wir im fortgeschrittenen Alter nicht mehr so schnell sind, ob gedanklich oder körperlich?
Niemand mit 35 Lebensjahren würde auf die Idee kommen und sich mit einen 7 Jährigen messen, was die tägliche Arbeitsleistung angeht, es wäre absurd. Doch mit einem 60 Jährigen, würde er es möglicherweise machen, oder sein/e Vorgesetzter. Der Turbokapitalismus, mit all seinem zu hinterfragenden Tempo, lässt uns vergessen, dass wir alle das Rennen gegen die Zeit verlieren werden und dabei unseren Respekt, unsere Empathie füreinander und die Würde verlieren. Diese Welt besteht aus Rhythmen, es gibt den Tag, die Nacht, die Mondphasen, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, einen Biorhythmus in uns selbst .

Das Altern unterliegt ebenfalls einen Rhythmus und es gibt verschiedenen Lebensphasen, welche wir durchleben. Frage ist, ob wir solche Phasen einer Bewertung unterziehen, sie gegeneinander ausspielen, Babys sind süß und alte Leute riechen? Altern ist Leben! Altern kann beeindruckend sein, wenn das Kleinkind die ersten Schritte macht oder der Durchlauferhitzer nach 40 Jahren noch funktioniert. Wir dürfen möglicherweise den Turbokapitalismus und seiner älter werdenden Ideologie von Geld macht glücklich ein Tempolimit verordnen. Zumindest sollten wir versuchen Menschenalter nicht zu bewerten, uns nicht reduzieren auf Ü 30 Party, Yoga ab Ü 50.
Leben bedeutet altern und eine Gesellschaft trägt die Vielfalt des Alterns und der Altersgruppen in sich, sie besteht daraus.

Mag sein, das der Klimawandel, zumindest was die Obsoleszenz von Geräten und hergestellten Dingen angeht, zu einer bewussten Veränderung führt und die Dinge wieder älter werden dürfen und dieses, wie früher, als Qualitätsstandard gilt, nicht ein weiteres X hinter einen neuen Produktnamen das Neue preist.

Nicht das Alter ist das Problem, sondern unsere Einstellung dazu.

Cicero (106 – 43 v. Chr.)

 

3 Gedanken zu “Altern

  1. Das Problem mit dem (hohen) Alter haben selten die betreffenden Menschen. Sie werden aber immer mehr zum Problem gemacht. Na ja, ein bisschen Eigenarbeit gehört auch dazu, die mit dem Altern einhergehenden Beschwerden und Einschränkungen zu meistern oder zu akzeptieren.

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