Nicht nur im Fußball, sondern in vielen Zusammenhängen wird von Weicheiern gesprochen.
Damit sind nicht Menschen gemeint, die zum Frühstück ein weich gekochtes Ei verzehren. Die Synonyme für den Begriff Weichei sind beispielsweise, Schlappschwanz und Schwächling. In den meisten Fällen bezieht sich der Begriff Weichei auf Männer.
Aber bleiben wir erst kurz einmal bei dem Ei. Um ein Ei in einen harten Zustand zu bekommen, darf es 11 Minuten ins kochende Wasser, bei ca. 100 Grad, je nach Luftdruck.
Die Schale wird durch den Vorgang nicht härter, nur der Inhalt des Eies ist verhärtet. Durch den Kochvorgang gerinnt das im Ei enthaltene Eiweiß.

Ein Mensch, der kein Weichei sein möchte, muss zum Glück nicht 11 Minuten im kochend, heißem Wasser ausharren, bis seine Eiweißmoleküle erhärten.
Aber die Frage, welche sich stellt, was erhärtet einen Menschen, was härtet ihn ab.
Manche schwören auf Saunagänge, mit anschließendem Kaltbad, sie kommen der gekochtem Ei Geschichte schon sehr nah, andere suchen extreme Sportarten oder setzen sich extreme Ziele, wieder andere nehmen täglich Vitamin C und Zink, es gibt reichlich viele Methoden, sich abzuhärten

Und jetzt wird es ein wenig paradox, Mut und Angst ergänzen einander, manchmal lässt die Angst den Menschen sehr mutig werden. Ebenso vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit uns Mut und Sicherheit. Mangelnde Geborgenheit kann Menschen erhärten, mangelnde Liebe kann Gewalt, Wut hervorbringen.
Das gekochte Ei, aus unserem dampfenden Topf, lag womöglich weich und geborgen in einem Nest, bevor es zu uns kam.
Wenn ich es recht betrachte, sind alle Menschen „Weicheier“ oder waren es. Manche sind durch ihr Leben hart gekocht worden. Ob dieser Wesenszug gegenüber anderen Menschen eine gute Charaktereigenschaft sein kann, ist individuell zu betrachten. Anders, als bei unserem Frühstücksei, haben die Harteier unter den Menschen ihr Leben lang die Chance, wieder etwas weich gekochter zu werden.

Weicheier sind oft die ausgekochtesten.

Jürgen Köditz, Schriftsteller

2 Gedanken zu “Weichei

  1. Ein Ei hart zu kochen ist einfach, aber ein weiches Ei perfekt hinzubekommen, ist ziemlich schwierig. Da kommt es auf die Größe, das Alter, die Dicke der Schale u.ä. an. Und natürlich auf den individuellen Geschmack an. Soll das Eigelb wachsweich sein oder fast flüssig, welche Konsistenz darf das Eiweiß haben. Eher fest oder schlabberig ? Und so ist es auch mit den Menschen. Mir persönlich ist ein Weichei manchmal lieber als ein verhärteter, abgebrühter Zeitgenosse.

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  2. Interessantes Thema, interessante Sinnbilder.
    Wenn mit Weichei ein Mensch gemeint ist, der keine eigene Meinung hat und/oder nicht zu sich steht und sich auch sonst eher duckmäuserisch verhält, so mag ich ihn auch nicht so oder kann wenig mit ihm anfangen. Ein Synonym ist wohl der Warmduscher. Stimmt, meistens sind Männer damit gemeint, abwertend. Ich dusche selbst lieber warm, brauche nicht den Eiskaltschock und einen emotional abgehärteten Mann brauche ich erst recht nicht. Die Männer oder auch Frauen, die sich nur deshalb auf Extremsituationen einzulassen, um kein Weichei oder Warmduscher zu sein, sind mir auch suspekt. Lasst sie doch von Felsen springen oder sich anderweitig bis zum Gehtnichtmehr auspowern – schade, dass sie dafür kein sinnvolleres Betätigungsfeld finden.
    Ein bisschen Mut und Angstüberwindung ist aber schon gut, finde ich, solange es nicht zum Selbstzweck wird. Ich glaube aber, dass die, die Geborgenheit kennen, dazu eher bereit sind. Genau, wer das nicht kennt, wird oft zu hart, gegen sich und andere. Ob die Hartriegel aber (wie der Hesse sagt) auch wieder weicher werden können, weiß ich nicht.

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