Werde ich weicher, oder wird die Welt ruppiger?
Diese Frage stell ich mir seit einiger Zeit. Ob im Straßenverkehr, an der Supermarktkasse, im Shoppingcenter, in der Krankenhausambulanz, im Zug, gefühlt wird die Welt um mich herum ruppiger, einzig im Stadion ist alles, wie immer, man kennt sich und singt zusammen.
Oder werde ich weicher, mit fortschreitendem Alter soll es ja so etwas geben.
Aber ich gehe an dieser Stelle jetzt einmal von meiner ersten These aus, fast jeden Tag meldet die Lokalpresse Fahrerfluchten, berichtet über körperlich ausgetragene Streitereien.
Im Straßenverkehr scheint
mir eine Art Kampf zu toben, ich frage mich, ob es da nur um Deutungshoheiten geht, oder um eine Art Ventil.
Wer schreit, hat keine Argumente mehr, bei dem kocht der Kessel über. Der Schrei ist ein Ventil.
Die körperliche Gewalt ebenso. Die Fahrerflucht ist Angst, Angst sich einen Fehler einzugestehen, Angst vor einer möglichen Konsequenz, Angst zu helfen.
Die Moral und der Respekt verlieren dabei.
Aber warum kocht der Kessel über, was treibt die Menschen zu solchen Handlungen, wo sitzen die Ursachen.
Im Zusammenhang mit dem Bau von Stuttgart 21 wurde einmal von sogenannten Wutbürgern gesprochen. Was macht die Menschen wütend, was nimmt ihnen Moral und Respekt, die Hilfsbereitschaft?
Ich habe keine wirkliche Antwort, ich habe für mich selbst Teilantworten, aber ob sie der Realität entsprechen, weiß ich nicht.
Morgen ist Heiligabend, das Fest der Liebe, wie es manchmal betitelt wird. Möglicherweise ist im Moment auf dieser Welt ein wenig Liebesmangel.
Vielleicht sollten wir nicht nur denen lauschen, die laut, wütend, polarisierend schreien, sondern gleichsam in unsere Herzen hineinhören.
In diesem Sinne wünsche ich Allen Liebe zum Fest, klingt kitschig, aber macht Sinn!

7 Gedanken zu “Ruppige Zeiten

  1. Ich vermute, du bist nicht weicher geworden, genauso wenig wie ich und viele andere, sondern dass es in unserer Gesellschaft heute tatsächlich ruppiger zugeht. Nein, ich bin sogar überzeugt davon. Sicher kanalisiert sich da zum Teil berechtigter Frust, aber nicht nur.

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  2. Liebe zu wünschen ist niemals kitschig!
    Vielleicht werden wir im Alter tatsächlich empfindlicher. Schließlich werden wir auch ängstlicher, unsicherer und darum vorsichtiger. Aber auch ich stimme der zweiten These zu. Dieser schleichende Prozess Rücksichtslosigkeit, der vor Jahrzehnten mit dem Ausfahren der Ellenbogen begann und in einem überbordenden Egoismus auf der Suche nach der eigenen Individualität zu enden schien, wurde noch angefeuert durch ganz offene unmoralische bis hin zu kriminellen Handlungen und Aussagen von Personen des öffentlichen Lebens, die nie dafür belangt wurden. Was vermittelt das im Laufe der Zeit? Welche moralischen Grenzen werden damit niederschwelliger? Du hast ein großes Thema angeschnitten!
    Ich wünsche auch dir alles Liebe. Nicht nur zum Weihnachtsfest!

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