Ich darf an dieser Stelle resumieren, meine eigene Jugend war nicht einfach. Oft wird so eine Jugend ja im Alter beschönigt, aber wenn ich meine zusammenfasse, war es damals nicht leicht.
Ich frage mich, ob Jugend jemals leicht war, all diese vielen Gefühle, mit denen man sich auseinandersetzen durfte. Die Ideologien, Wahrheiten, an denen man sich festklammerte, um Profil zu gewinnen. All die Fragen, und die Suche nach Antworten, was ist richtig, was ist falsch?
Dieses Geborgenheitsvakuum, wenn man sich von den Eltern loslöst und noch keine große Liebe gefunden hat. Man auf Reisen geht und schnell Heimweh verspürt, damit ist nicht immer das elterliche Zuhause gemeint.
All den Mut, den man aufbringen darf, um erste Schritte in eine laute, bewertende Welt zu machen, die einem schnell Zeugnisse ausstellt und vermeintliche Fehler sofort maßregelt.
Seit ich mich erinnere, wurde Jugend von Erwachsenen kritisiert, mal als Spaßgeneration, mal als Hippies, mal als Millennials, Generation Y etc.
Die Jugend im Jahr 2020 ist sehr unterschiedlich. Eltern haben unterschiedliche Kulturen, verschiedene Ansichten, wie so ein Leben denn gelebt werden soll, es gibt Religionen und Bräuche, Erwartungshaltungen, Dogmatismen und Freiheiten. Je nach Herkunftsland, Wohnort, Lebenssituation, Religion und Familiensituation.
Als Jugendlicher darf man mit der Basis, die einem gegeben wird, klarkommen.
So steht man dann vor einem Leben, mit all seinen Möglichkeiten, aber auch schon vor sichtbaren Fallstricken und kommenden Problemen.
Die Erwachsenenwelt teilt das ein oder andere Mal ein, in Gruppen wie Wohlstandsjugendlicher, Migartionsjugendlicher, bildungsferne Jugendliche, rich Kids, Harz-Jugendlicher.
Für einen Selbst, ist die Gruppe erst einmal eine Art sichere Basis, hier kennt man die Sprache, Rituale und fühlt sich sicher.
Meistens wollen die Erwachsenen, dass aus einem etwas wird, man Erfolg im Leben hat.
Die Erwachsenenwelt hat dafür sehr klare Definitionen, eine ist Geld und damit Anerkennung.
Ich durfte einmal vor ein paar Jahren eine Gruppe von Abiturienten aus ganz Deutschland eine Woche begleiten, sie waren von der Wirtschaft eingeladen auf eine Seminarwoche.
Dort gab es Kurse zur Persönlichkeitsentwicklung, ein Sushi Seminar etc.
Eine Personalberaterin stellte in einem Kurs die Frage, wie sie denn ihre Karriere planen, wo es hingehen soll.
Die einzelnen Antworten waren verblüffend, der Großteil hatte nicht vor eine sogenannte Karriere einzuschlagen. Die Personalberaterin war ein wenig irritiert und fragte nach.
Viele gaben ihre Eltern als Beispiel, warum Karriere nicht zwingend ein guter Weg ist.
Gestresste Eltern, kaputte Beziehungen, Krankheit.
Es ist natürlich wichtig, wie man Karriere definiert, was ist die Maßeinheit für Karriere?
Den Jugendlichen im Seminar war das berufliche Leben ihrer Eltern kein Vorbild.
In dem Seminar wurde auch über Ängste gesprochen, Zukunftsängste, Ängste zu versagen, Ängste vor Krieg, Terror, private (familiare) Ängste.
Die Fridays for Future Jugendlichen tragen ihre Ängste auf die Straße, gleichsam geben die Proteste ihnen die Möglichkeit ihre jeweiligen Persönlichkeitsprofile zu stärken, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen, in einer Gesellschaft, die meiner persönlichen Meinung sozial immer weniger empathisch miteinander umgeht.
Die Proteste sind bunt, kreativ und positiver Grundstimmung.
Spannend war dann aber die Reaktion in der Erwachsenenwelt, es gab recht schnell eine Einteilung der Teilnehmenden in die Gruppe der sogenannten Wohlstandsjugendlichen, woher diese Einschätzung kommt, ob sie wissenschaftlich belegt ist, konnte ich nicht herausfinden.
Was genau bedeutet Wohlstandsjugend?
In diesem Zusammenhang wurde auch behauptet, die jungen Schüler lassen sich von ihren Eltern mit SUVs zur Schule bringen.
Ist das so, wo gibt es glaubhafte Statistiken? Dieses sind nur zwei Beispiele.
So prasselte auf die jungen Schüler eine Menge an Polemik und Kritik nieder.
Es gab Behauptungen der Instrumentalisierung, der Naivität. Die Jugendlichen verständen die Zusammenhänge Klima und Kapitalismus nicht.
Manches von all der Kritik mag stimmen und der ein oder andere Erwachsene sehnt sich nach Revolution, der andere nach einer diktatorischen Ordnung, wieder andere nach der guten alten Zeit.
Dann gibt es noch die Eltern, die möglicherweise Angst um das Abi haben.
Im Grunde hatten und haben die freitäglichen Proteste eine Art Happening Charakter und mir persönlich gefällt die Form. Kunst und Humor können eine Gesellschaft durchaus bereichern und weiter bringen.
Aber gefühlt, ist der erwachsenen Gesellschaft wenig zu lachen zumute.
Womöglich geht die Jugend eben aus diesem Grund einen anderen Weg, ihren Weg.
Ihnen vorzuwerfen überhaupt einen Weg einzuschlagen macht für mich keinen Sinn. Jedem Erwachsenen bleibt selbst die Möglichkeit seinen Protest, seine Systemkritik, seine Ideen auf die Straße zu bringen oder öffentlich zu machen. Kritisieren ist das Eine, selber zu handeln das Andere.
Aber das Wichtigste ist, alle Generationen sollten sich nicht verschließen, voneinander zu lernen.

4 Gedanken zu “Jugend in Bewegung

  1. Gut, dass wieder Menschen auf die Straße gehen!!!
    Beim Lesen fiel mir ein, dass keines meiner drei Kinder Lehrer werden wollte. Sie hatten mich erlebt, sie wussten, was das bedeutet fürs Private 😦

    Gefällt 2 Personen

  2. Meine Jugend war auch nicht einfach, aber sie war bunt und sehr lebendig, in manche Falle bin ich gestolpert, andere habe ich umschifft und alleine war ich nie. Doch, ich denke gerne an diese Zeit! In unserer Theatergruppe nahmen wie gesellschaftliche Themen auf’s Korn und machten Sketche dazu, wir kamen gut damit an. Und die einen und anderen Demos waren auch dabei, auch noch später.
    Ich finde es gut, dass die Jugend wieder auf die Straße geht, all die Niedermachereien gefallen mir aber gar nicht. Da werden Schubladen geöffnet von denen ich nicht weiß, wie du eben auch nicht, ob sie denn der Wahrheit entsprechen. Die Jugendlichen, die ich kenne haben keine SUVfahrenden Eltern …
    Deinen Appell auch im Alter offen für die Belange von Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu bleiben, kann ich nur zustimmen. Ich habe das Privileg mit all diesen Altersgruppen zu tun zu haben und werde mittlerweile von den Jugendlichen als alte Weise angesehen … hüstel 😉
    Herzliche Grüße
    Ulli

    Gefällt 1 Person

  3. Das ist ein sehr komplexes Thema, ich hatte auch keine einfache Jugend, aber auch schöne Momente, da haben wir was gemein😉.
    Mir kommt es so vor, daß wir die Jugend im Alter nachholen werden , all das , was „normale“
    Teenies frei genießen konnten , ohne emotionale Probleme bzw.“ Behinderung“und deren Begleitsymptome.
    Die Stârke einer Gesellschaft zeigt sich daran, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht.
    Da sind wir heute in Deutschland im Vergleich zur restlichen Welt im oberen Bereich, es gibt dennoch viel Verbesserungsbedarf in vielen Bereichen.

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