Welche Werte ergeben politische Richtungen? Rechts, Links, Mitte sind gerade viel zitierte Begriffe. Ebenso die Begriffe Bürgertum, Werte, und politische Ränder.
Nehmen wir einmal als Beispiel einen Gymnasiallehrer, der sich der Partei der Grünen zurechnet, er lebt zusammen mit seiner Familie, 3 Kinder, Frau und Hund, inkl. Kaninchen im Freilaufgehege und Trampolin im Garten des Niedrigenergieeigenheims. Die Familie besitzt zwei PKW, erledigt aber viele Wege mit dem Rad, im Jahr geht es zwei Male in den Urlaub,im Sommer in die Provence, im Winter in ein Skigebiet. Hobby des Lehrer in das Sammeln von Wein und die Imkerei.
Ist der Mensch in diesem Beispiel ein Linker, weil er sich der Grünen Partei verbunden fühlt? Gehört er zum Bürgertum, zur Mitte der Gesellschaft, oder kann man ihn sogar als Rechten bezeichnen.
Da ist die alleinstehende Erzieherin, ohne Kinder, sie lebt in einer kleinen Mietwohnung, wählt, wie schon ihre Eltern sozialdemokratisch und macht sich Sorgen um die Migrationspolitik und ihre Folgen, die sie in der täglichen Arbeit zu spüren bekommt. Sie kann sich nur einen Kleinwagen leisten und hat Angst vor der nächsten Mieterhöhung, da auch die Energiekosten und Nebenkosten gestiegen sind, Sie würde gerne mehr BIO essen, kann es sich aber oft nicht leisten. In den Urlaub fährt sie alle zwei Jahre pauschal, all inklusiv. Ist sie eine Linke, oder könnte man ihr unterstellen rechtslastig zu sein. Gehört sie noch zum Bürgertum?
Ein letztes, drittes Beispiel. Nehmen wir einen Anwalt, der bei einem der größten Vermögensverwalter der Welt angestellt war, sich selbst zum Bürgertum rechnet und ein kleines Vermögen auf der Habenseite hat. Er ist Mitglied der CDU, die ihn schon einmal ins Abseits gestellt hat. Er sieht sich selbst als Vertreter konservativer Werte an und wünscht sich die Vergangenheit zurück. Sein persönliches Ziel für die nahe Zukunft, Bundeskanzler und Kurskorrektur der CDU.
Wäre dieses Beispiel ein Rechter, der ab durch die Mitte möchte? Zählt er noch zum Bürgertum, oder deckt er einen gesellschaftlichen Rand ab?
Das sind drei Beispiele, von vielen weiteren Möglichkeiten, welche mir persönlich verdeutlichen, dass eine politische Einteilung in ein Richtungsschema, oder nebulöse Begrifflichkeiten Nonsens sind.
Diese Einteilungen sind weder zeitgerecht, noch bringen sie mir persönlich einen Nutzen.
Für mich liegt ihr einziger Zweck in der Polarisierung, die aber in der heutigen Zeit, mit all ihren zu lösenden Aufgaben keinen Sinn mehr macht, womöglich nie gemacht hat.

Die Menschen werfen sich im Politischen wie auf dem Krankenlager von einer Seite zur andern, in der Meinung besser zu liegen.
Goethe

Zur Info: das Links – Rechteschema entstammt aus der französischen Revolution, in der Nationalversammlung saßen die Anhänger der Republik links und die Anhänger der Monarchie rechts. Wir leben momentan in einer demokratischen Republik. In der Mitte saß damals Niemand, der Platz war leer.

9 Gedanken zu “Richtungen

  1. Links/rechts Bezeichnungen wurden eher durch kommunistische Kreise verbreitet, als sich die Marxisten noch (zunaechst) mit den Republikanern verbuenden wollten (siehe Vormaerz 1848).
    Mit Beginn der politischen Korrektheit gewann die Linke („progressives“ in den US) die Propagandaschlacht und besetzten alle „guten“ Begriffe (sozial, tolerant, menschlich, usw. Rechts bedeutete dann Faschismus, und die unaufgeklaerten Menschen – die diese Definition nie richtig kannten – verbinden ihn nun ausschliesslich mit rechten Diktaturen, und begreifen nicht, dass saemtliche sozialistischen Systeme eben faschistisch sind.
    Wenn wir wissen wollen, wer in Ihren obigen Beispielen links oder rechts ist, brauchen wir nur finden, wessen Handlungen in die Freiheit der anderen eingreift, und das gleich Verhalten wie er selbst von seinem Nachbarn fordert. Der, dessen Lebensweise NICHT von Forderungen oder Anpassungen von den anderen abhaengt, ist der rechte 🙂

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  2. Ja, nicht sinnvoll, aber solange sich Menschen selbst in dieser Weise zuordnen, ist es politische Realitaet. Es hilft den Machthabern fuer ihr „divide and conquer“…
    (P.S. ALLE demokratischen Politiker sind „Populisten“, sonst wuerden sie nicht gewaehlt.

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