#Zeit Von der Kunst zeitlose Zeit zu haben

Als Kind hatte Zeit für mich wenig Relevanz. Erst mit dem Beginn der Grundschulzeit entwickelte sich eine Art Bild der Zeit. Mein Bild beinhaltete eine Wegstrecke, ein Weg von A nach B. Es gab auch Unterteilungen, kleine Wegstrecken, immer aber mit Anfang und Ende. Die jeweilige Distanz war für mich die Zeit. Mit der Schulzeit gab es Aufgaben zu erfüllen und im Laufe der Zeit, kamen immer mehr hinzu.
Subtil hatte Zeit für mich plötzlich etwas mit Bewegung zu tun, mit Erschaffen, mit dem Erledigen.
Sie war, was ich bedauerte, endlich geworden, spätestens, wenn die Stimme der Mutter ertönte.
Aus der Fülle einer unendlichen Zeitmasse war plötzlich eine endliche Zeitdistanz geworden, die es zu füllen und zu bewältigen gab.
Manchmal, wenn alle Distanzen erledigt waren und es ein Distanzvakuum gab, entwickelte sich Langeweile, teils Ängste, da meine Welt ohne neue Zeitdistanzen, wie ein Ende wirkte.

Im Moment haben viele Menschen viel Zeit, ohne Distanzen bewältigen zu müssen. Der Tagesablauf hat sich durch die verordneten Maßnahmen geändert und der Zeitbegriff, die Vorstellung von der Zeit verändert sich.

In unseren Breitengraden fragt man nicht, wer bist du, sondern was machst du? Eine der berühmten Fragen in online Dating Chats.
Zeit haben bedeutet für viele Menschen sie füllen zu müssen, damit man weiter kommt.
Aber kommt man denn wirklich weiter? Ist Zeit tatsächlich eine zu bewältigende Distanz?

Wenn wir jung sind, soll die Zeit schnell gehen, damit wir älter werden, wenn wir älter werden, wollen wir sie bremsen, in jedem Fall versuchen wir sie zu füllen.
Auf die Frage, „was machst du?“ mit dem Wort „nichts“ zu antworten, löst das ein oder andere Mal Verblüffung, Ablehnung, Mitleid, oder gar Entsetzen aus.
Ich würde vermuten, dass es in Zeiten unserer berühmten Zeitgenossen, Goethe und Schiller noch mehr Muße für das Nichts gab.

Für viele Menschen mag die Zeit sich gerade ausgebremst, angehalten, gestoppt anfühlen. Sie wurden ihrer Zeitdistanzen beraubt, die täglich ihren Tagesrhythmus und ihr Leben bestimmten.
In dieser distanzlosen Zeit, in der wir zu unseren Mitmenschen Distanz halten sollen, entsteht also ein neuer Zeitgeist. Gefühlt wird für Viele die Zeit entschleunigt.
Dabei ist fraglich, ob Zeit eine Geschwindigkeit hat. In der Relativitätstheorie sind Zeit und Raum im Grunde gleichwertig. Sie bildet mit dem Raum eine vierdimensionale Raumzeit, in der nur die Gegenwart eine Dimension einnimmt. Meine A und B Strecke hätte keine Relevanz.

Es rennt der Mensch, es fliehet
Vor ihm das bewegliche Ziel.
Er zieht und zerrt vergebens
Am Vorhang, der schwer auf des Lebens
Geheimnis, auf Tagen und Nächten ruht.

Johann Wolfgang von Goethe

Letztens las ich, unsere turboschnelle Zeit würde gerade angehalten. Gemeint ist wohl die digitale Entwicklung und was wir mit Turbokapitalismus betiteln.
Ich mag diesen beschriebenen Stillstand nicht bewerten wollen, aber für mich persönlich hat es in meinem Leben sehr viel Sinn gemacht, ab und an innezuhalten und meine Zeit, ihre Distanzen, mein Tun zu hinterfragen.

2 Gedanken zu “#Zeit Von der Kunst zeitlose Zeit zu haben

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