Normalität ist die Selbstverständlichkeit mit der wir unsere Gesellschaft betrachten. Sie resultiert aus gemeinsamen Wahrheiten, welche wir uns bilden. Ein Beispiel: Vor nicht gar so langer Zeit war es keine Normalität das Frauen politisches Wahlrecht genossen.
In diesen epidemischen Zeiten lese ich zur Zeit häufiger von dem Wunsch, dass endlich alles wieder zur „Normalität“ zurückkehren sollte.
Aber die Frage, die sich für mich stellt, wollen wir es wirklich?
Möchten wir dahin zurück, wo wir vor der Epidemie gesellschaftlich waren?
Die Zeitschrift die ZEIT hat in ihrer online Präsentation  ein Fragetool, welches die tägliche Stimmung abfragt, ob es einem gut, oder schlecht geht. Die Redakteure waren recht verwundert, als es mit dem so genannten „Shoutdown“ Maßnahmen den Menschen anscheinend besser ging. Sie überprüften ihr Tool auf mögliche Manipulationen etc., konnten aber nichts finden ( für Interessierte, hier der Link). Diese Umfrage ist sicherlich nicht wissenschaftlich repräsentativ, als Anmerkung.
Die Frage, die sich für mich damit stellt ist, wie zufrieden, wie glücklich waren wir mit unserer bisher gelebten Normalität.
Ich hatte für mich persönlich das Gefühl, viele Menschen waren gehetzt, gestresst und hatten subtile Ängste, abgehängt zu werden, nicht gut genug zu sein, das Gefühl es nicht mehr lange schaffen zu können.
Die pandemische Pause, war zumindest in meinem Bekanntenkreis eine Ruhe-und Denkpause, welche viele anscheinend benötigten und genossen.
In meinem Umfeld, in der Nachbarschaft (ich lebe in mitten einer Genossenschaftssiedlung) konnte ich auch keine unglücklichen Kinder sehen, es mag sie aber sicherlich geben.
Die älteren Menschen um mich herum machten weiterhin ihre Spaziergänge und hielten distanzierte Gespräche, in der Nachbarschaft entwickelte sich eine Nachbarschaftshilfe.
Ich kann nicht beurteilen, wie es einzelnen Menschen wirklich zur Zeit geht, nicht jeder sagt einem, wenn es ihm nicht gut geht, dieses Verhalten ist teils auch eine Normalität in Deutschland, wie ich für mich festgestellt habe.


Ich möchte nicht zurück in die Normalität, die Zukunft hält eine Menge Herausforderungen bereit, die, wie ich denke, mit der bisher gelebten Normalität nicht zu meistern sind, sondern uns eher in katastrophalere Aussichten katapultieren.
Die wirtschaftlichen Mantren und ihre globalisierte Ideen vom ewigen, immer schneller ansteigendem Wachstum und Gewinn, von dem nur Wenige profitieren, welche die Umwelt und damit die Grundlage des Menschen zerstören, ist dringend zu hinterfragen.
Im letzten Halbjahr 2019, las ich öfter Artikel über die Vereinsamung der bundesdeutschen Gesellschaft, Vereinsamung als Normalität?
Jetzt wird über Schulen und Kindergarten diskutiert und über die möglichen psychischen Schäden für Kinder und Eltern, falls die Einrichtungen weiter geschlossen haben.
Ich habe in einer pädagogischen Einrichtungen gearbeitet, in denen man seine Kinder auch am Wochenende abgeben konnte. Die Öffnungszeiten gingen teils bis 20:00 Uhr.
In meiner Zeit als pädagogische Fachkraft, habe ich mich öfter gefragt, ob all diese Betreuung, dem Kindeswohl dient, oder mehr der Wirtschaft. Sicherlich sollten beide Elternteile und selbstverständlich auch Alleinerziehende die Möglichkeit haben, zu arbeiten und sich verwirklichen , aber für mich steht die Frage im Raum, ob wir das passende Modell leben?
In meiner Heimatstadt gibt es eine Firma, welche die 25 Stundenwoche eingeführt hat, bei vollem Lohn. Bisher läuft das Projekt weiter (bei Interesse Link folgen).
Aus der gelebten Normalität heraus stellt sich im Grunde die Sinnfrage, was ist der Sinn des jeweiligen Lebens.
In einem Fernsehbericht über einen genesenen Viruserkranken, sagte dieser, er würde sein Leben jetzt auf wesentliche Dinge, wie Familie, Freunde, die kleinen Dinge des Lebens reduzieren. Hetze Termindruck und Stress würde er aus seinem Leben streichen wollen.
Sinnbildlich hat für mich die Wachstumsidee einen Großteil der Menschen bisher vor sich her getrieben, ihnen moralische,ethische Bilder und Ideen gegeben, die eine Gesellschaft trennen, sie gegeneinander antreten lassen, für Vereinsamung, soziale Verwerfungen sorgt.
Eine soziale Marktwirtschaft benötigt kein Wachstum, sie benötigt einen Gewinn, einen wirtschaftlichen und einen empathischen, sowohl was die Menschen und die Natur angeht.
Jeder sollte an einem Gewinn teilhaben dürfen, Natur und Mensch.
Daher wäre mein Wunsch eine neue, gelebte Normalität

14 Gedanken zu “Betonierte Normalität?

  1. Auch ich bin der Ansicht, dass es dringend notwendig ist, das gesamte Wirtschaftssystem zu durchdenken und neue Formen des Zusammenlebens und Produzierens zu finden, die mehr Mitmenschlichkeit, weniger Ausbeutung. weniger Konkurrenz und mehr echte Freiheit für jeden einzelnen beinhalten. Auch bin ich der Ansicht, dass die Natur Schonung braucht.
    Solche Überzeugungen habe ich seit langem.

    Freilich sehe ich nicht, dass dies die Zielrichtung der staatlichen Maßnahmen ist, die gegen Corona ergriffen werden, sondern bestenfalls ein zeitweiliges Nebenprodukt, und auch nur bestimmte Gruppen betreffend, die in einer Art Rentnersituation ganz gut klar kommen. Der so notwendige Umbau der Wirtschaft braucht Einsicht in die Funktionszusammenhänge, sehr stabile ethische Überzeugungen, langen Atem, Entschlossenheit der Entscheidungsträger und der Bevölkerung. Sie kann nicht im Hauruckverfahren erfolgen, weil dann die Schwächsten auf der Strecke bleiben und auch die, denen es jetzt noch gut geht, in die Armutszone hinabgedrückt werden.
    Wenn die Maßnahmen beendet werden, wird dasselbe Wirtschaftsystem wie vorher da sein, nur wird es zunächst auf einem niedrigeren Niveau arbeiten. Von einem Umdenken kann ich nichts wahrnehmen. Vorhin las ich bei Xeniana, die ansonsten die Maßnahmen gutheißt, dass sie verärgert ist über die Ungleichbehandlung beim Ausgleich des Lohnausfalls von Zahnärzten und Therapeuten. Das ist nur ein winziges Beispiel dafür, welcher Geist tatsächlich herrscht. Schön wäre es, ich würde mich irren.

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  2. solche artikel, wie in der Zeit findet man jetzt oft, auch in den öffentlich rechtlichen Sendern wurde das bisherige System mehrfach in Frage gestellt. ich schrieb nicht das die jetzigen stattlichen Maßnahmen darauf hinzielen den kapitalismus zu beenden, hier geht es um die Pandemie.
    Subkultur hat seine eigenen Gesetze und schon in der Bibel steht, am anfang war das Wort, mit anderen Worten die Idee, ein Impuls, so wie mit dem Frauenwahlrecht. Was nach der Pandemie kommt weiß Niemand, oder er/sie kann Glaskugel lesen.

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  3. Nein. Das meine ich nicht mit „echter Freiheit“, und ich finde solche aggressiven Fragen auch ziemlich daneben. Ein Stück echter Freiheit wäre zB ein Grundeinkommen für jeden. Guten Morgen.

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  4. Guten Morgen,
    Du unterstellst mir Aggression, die ich nicht im Sinn hatte und habe. Ich hab aber bewusst überspitzte Beispiele genommen.
    Ein Grundeinkommen, welches vom Staat bezahlt wird gibt einem aber keine Freiheit vom Staat.
    Ich halte ein Grundeinkommen für grundsätzlich diskutierbar, es kommt auf die Form an.
    Nur verstehe ich deinen Freiheitsbegriff nicht.
    Wenn zum Beispiel jeder selbstverantwortlich ist für sein Tun,beispielhaft bei Kontaktbeschränkungen und es gibt Menschen, denen es egal ist und Menschen die Angst vor Ansteckung haben, dürfen die Ängstlichen, bei Distanzlosigkeit den Abstand auch mit Gewalt gewährleisten?
    Der Staat ist nicht grundsätzlich ein Freiheitsräuber, finde ich.
    In einer Demokratie suchen sich die Bürger Vertreter, welche Regeln für das Zusammenleben aufstellen, gemeinsam definieren sie sich als Staat.
    Ein Grundeinkommen wäre so eine Regel.
    Die aber auch abhängig vom Staat macht.

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  5. Ich erlebe in diesen Tagen so manchen Menschen,der die staatlichen Maßnahmen für übezrogen hält bis hin zu „Quatsch-Massnahmen“. Ich, der ich mich gut informiere, kann dem nicht beipflichten, erst recht wenn man bestimmte Namen ins Spiel bringt.

    Jetzt, in diesem Moment, bin ich aber der Auffassung, nicht mehr dagegen anzurennen, da es rein emotional gute Gründe für Wut und Ärger gibt.
    Also lasse ich dem anderen seine Meinung – aber bitte darum, daß er respektiert, daß ich Schutz möchte, also die 1,5 m Abstand. Den halten so manche nämlich nicht ein, weil sie das Ganze für Unsinn halten.

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  6. Lieber Aquasdemarco, in online-Diskussionen wie diesen kann man seine Gedanken nicht wirklich ausführen, besonders nicht, wenn es sich um so komplexe Begriffe wie „Freiheit“ handelt. Da bleibt, wenn man sich nicht verrennen will, nur, dass man sich den Gesprächspartner lebhaft vor Augen stellt und versucht, aus dem wenigen, was er sagt, auf seine Art zu denken zu schließen. Drum habe ich mich gegen die Aufzählung deiner Beispiele (kein Tempolimit etc) gewehrt und sie als aggessiv empfunden. Ich konnte keinen Zusammenhang finden zwischen meinem Bestehen auf der Freiheit des Menschen, sich selbst zu bestimmen und für sein Tun Verantwortung zu übernehmen, anstatt gehorsam gegenüber Geboten zu sein, sie von anderen Menschen gesetzt wurden. „Selbstverschuldete Unmündigkeit“. rügt Kant die Bereitschaft, nicht selbst zu denken und die Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen.
    Wer gelernt hat, äußeren Geboten zu folgen, wird es immer tun – egal welche Gebote es sind. Und er wird in Chaos und Barbarei verfallen, wenn die Gebote fehlen. Dein Beispiel Tempolimit: Steht da ein Schild 50km, dann fahren solche Menschen 50, steht da kein Schild, rasen sie. haben sie Vorfahrt, nehmen sie sich die Vorfahrt, auch wenn sie damit einen anderen Verkehrsteilnehmer gefährden etc. ist eine Strafe fürs Töten verhängt, bemühen sie sich, niemanden zu töten. Wird das Töten erlaubt, befohlen oder dafür eine Auszeichnung gegeben, töten sie.
    Ich hoffe, du verstehst jetzt besser, was ich mit Freiheit meine. Sie bezieht sich immer auf mich selbst zurück. Liebe Grüße

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  7. „Wer gelernt hat, äußeren Geboten zu folgen, wird es immer tun – egal welche Gebote es sind. Und er wird in Chaos und Barbarei verfallen, wenn die Gebote fehlen. Dein Beispiel Tempolimit: Steht da ein Schild 50km, dann fahren solche Menschen 50, steht da kein Schild, rasen sie. haben sie Vorfahrt, nehmen sie sich die Vorfahrt, auch wenn sie damit einen anderen Verkehrsteilnehmer gefährden etc. ist eine Strafe fürs Töten verhängt, bemühen sie sich, niemanden zu töten. Wird das Töten erlaubt, befohlen oder dafür eine Auszeichnung gegeben, töten sie.“
    Woher diese Gewissheiten?
    Würdest du so handeln?
    Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, welche menschliches Handeln beeinflussen.
    Manchmal ist es sogar das Wetter, eine defekte Schilddrüse, ein vorheriger Streit, eine zärtliche Umarmung.
    Ich Maße mir nicht an zu beurteilen wie Menschen reagieren.
    Natürlich entwickeln sich mit den Lebensjahren Instinkte, ritualisierte Urteile, welche in Sekunden eine Bewertung vornehmen in unseren Köpfen.
    Bei Geboten ist die Frage nach dem Sinn zu stellen, die stellt jeder für sich, manchmal halten wir uns an Gebote, manchmal nicht. Ich denke nicht man ist unmündig wenn man Gebote, Regeln befolgt, man trifft eine Entscheidung, welche man abgewägt hat.
    Nachts in ein Freibad einzusteigen ist nicht erlaubt, aus gutem Grund, keine Rettungsschwimmer vor Ort, keine Kasse offen.
    Trotzdem probiert man es möglicherweise einmal aus.
    Ich war in Ländern mit sehr regressiven Geboten, welche keinen demokratischen Erstellungsprozess durchlaufen hatten.
    Daher bin ich froh in einer der seltener werdenden Demokratien zu leben, wo wir uns gemeinsam, in einem demokratischen Prozess auf gesellschaftliche Regeln einigen.
    Es mag in der Theorie andere Möglichkeiten eines friedlichen Zusammenlebens geben und ich bin mir sicher, die Demokratie wird sich wandeln, wie sich alles immer wieder verändert, erneuert oder verschwindet.

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  8. Den zitierten Text von Gerda verstehe ich auch nicht. Das ist mir zu pauschal und rigide. Da spricht für mich eine Wut auf den Menschen an sich heraus…
    Bersser wäre es, solche Gedanken näher auszuführen und nicht in einem Furor rauszuschreiben. Dafür muß Zeit sein, finde ich!

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