Ich hab mir nicht ausgesucht hier geboren zu werden, zumindest fehlt mir die Erinnerung.
Warum es denn Deutschland und in meinem speziellen Fall sogar Bielefeld sein musste, mag wohl an dem Karma aus meinen vorherigen Leben liegen, oder Gott hat einfach gewürfelt.
So drehe ich meine Runde auf diesem, recht kleinen blauen Planeten, als deutscher Bielefelder.
Und als solcher möchte ich an dieser Stelle einmal ein kleines Zwischenfazit ziehen, in dieser ungewöhnlichen Zeit.
In den Jahren hat sich dieses Land verändert, neue Kulturen sind eingewandert, verändern Sprache, Subkultur, Essgewohnheiten etc..
Deutschland war die letzten Jahrzehnte, wirtschaftlich betrachtet, sehr erfolgreich, auch dieser Aspekt sorgte für Veränderungen im Umgang miteinander, in der Bewertung des Einzelnen.
Was ich mag an diesem Land ist eine Art der Zuverlässigkeit, ich meine dabei nicht die konservativ, spießige, sondern die sozial Verbindliche.
Ich mag die Natur, die Kultur, die Kunst, die Demokratie, die Toleranz und die Möglichkeiten und Sicherheiten, welche mir dieses Land und die Gesellschaft bisher gegeben hat. Ich lebe in einer sehr weltoffenen Stadt, was der Name allerdings oft nicht vermuten lässt. Ich halte Deutschland trotz vieler, teils schrecklicher, fremdenfeindlicher Geschehnisse in den letzten Jahrzehnten für ein weltoffenes Land.
Ich mag die deutsche Sprache, welche so viele Möglichkeiten bietet, seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Ich mag die Sauberkeit, auch wenn es spießig klingen mag. Ich war auf meinen Reisen an Orten, wo ich die Sauberkeit geschätzt hätte. Ich mag die deutsche Fußballfankultur.
Ich mochte die soziale Marktwirtschaft.
Leider hat sich diese, mit den globalisierten Jahren zum Negativ gewandelt. Das Gefälle zwischen Arm und Reich wird in Deutschland immer größer. Der Druck des Erfolges, des Wachstums geht auf Kosten des sozialen Miteinanders, der Kreativität, der Gabe, aus Fehlern zu lernen. Gegenwärtig werden gemachte Fehler der Politik, Wirtschaft durch PR Agenturen relativiert, das Zugeben eines Fehlers kann den Job kosten.
Viele Deutsche lieben ihre Pauschalreise, ebenso verlieren sie sich in Pauschalurteile. Ich denke viele Menschen in diesem Land, sind immer auf der Suche nach Sicherheit, subtil mag es immer eine Bedrohung geben. Diese subtilen Bedrohungen scheinen in den letzten Jahren zugenommen zu haben, was sich auf die Sprache auswirkt, welche sich oft in Polarisierungen, Polemik und Respektlosigkeit verliert. Hinzu kommt eine neue Subkultur, geprägt durch männliches Machotum. Digitalisierung, Zuwanderung, Corona, Klimawandel, weltpolitische Veränderungen fordern die deutsche Gesellschaft.
Durch eine, auf Effizienz getrimmte Arbeitswelt, neue Studiengänge und einem veralteten Schulsystem wurde leider vielen Menschen der Mut und die Möglichkeit zur Kreativität genommen. Kreativität ist aber der Schlüssel, um Herausforderungen zu begegnen. Sie benötigt Offenheit und Mut, ein konservatives Festhalten an alten Systemen macht keinen Sinn. Einiges lässt sich reformieren, anderes wird weichen, manches neu entstehen.
Deutschland benötigt einen offenen Diskurs über die Herausforderungen für seine nahe Zukunft, es darf sich nicht in einem Kampf um Deutungshoheiten verlieren, geführt von cleveren PR Profis und Lobbyisten. Die USA sollten diesem Land ein warnendes Beispiel sein. Deutschland benötigt mündige, weltoffene, politische Menschen in einer sozial geprägten Demokratie, mit einer gesunden Portion Mut, Respekt füreinander und Kreativität. Wenn jeder Einzelne das Beste draus macht ist viel gewonnen.

6 Gedanken zu “Ach #Deutschland !

  1. „Deutschland benötigt mündige, weltoffene, politische Menschen in einer sozial geprägten Demokratie, mit einer gesunden Portion Mut, Respekt füreinander und Kreativität.“ Na, dann weißt du doch, warum du in Bielefeld geboren wurdest. Du wirst dort gebraucht! 😉

    Liken

  2. Du hast das sehr gut zusammengefasst. Was ich mir mehr wünsche, ist die Vermittlung von Werten. Verstehe mich nicht falsch, ich meine damit das Vorleben von Werten wie Toleranz, Solidarität und Hilfsbereitschaft, auch im Kleinen. Vorleben, nicht nur darüber sprechen. Denn das erleben wir doch täglich. Große Reden von öffentlichen Menschen, denen häufig nichts folgt. Gerade jetzt im Umgang mit den Menschen in sogenannten systemrelevanten Berufen. Ich wünsche mir auch mehr Wertschätzung gegenüber den Männern und Frauen bei der Feuerwehr und der Polizei. Nicht jeder Polizist ist ein „Bulle“, sondern ein Helfer, wie Feuerwehr und Sanitäter. Wie kann es sein, dass diese Berufsgruppen, die so hohe Risiken zum Wohl anderer eingehen müssen, so angegriffen werden? Ich blende hier mal jedwede politischen Gruppen aus, meine Otto Normalverbraucher, der seinen Frust worüber auch immer, an ihnen auslässt. Ach, jetzt schweife ich ab. Am Ende eines Tages bin ich aber immer noch dankbar, in dieser Demokratie leben zu dürfen.
    Liebe Grüße,
    Elvira

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