Sind wir noch zu retten?

Eine Frage, die sich mir in diesen Tagen stellte und ich nach Antworten suchte. Mein Fazit endete in einer Gegenfrage, wollen wir uns retten und wenn ja, wie?

Die Welt war gefühlt immer sehr komplex, dabei funktioniert sie nach sehr klaren Gesetzmäßigkeiten. Da gibt es die Gesetze des Universums, der Physik, der Chemie, der Biologie, der Mathematik. So zieht unser Planet seine Kreise, im Zusammenspiel mit Mond, Sonne und all den Planeten, Universen. Einen winzigen Bruchteil dieser Gesetze können wir gedanklich erfassen.

Im Zuge der menschlichen Entwicklung, hat der Mensch versucht diese Gesetzmäßigkeiten zu entdecken, zu erforschen und einen Nutzen aus dem Wissen zu ziehen. Er überwand zum Beispiel die Schwerkraft und lernte mit Hilfsmitteln zu fliegen. Leider verstand es der Mensch nie wirklich die grundlegenden Gesetze der Natur in sein erreichtes Wissen mit einzubinden, hatte nie die Weisheit eines klugen Schachspielers, seine Züge und die des Schachpartners vorauszusehen.

So steht der Mensch gerade an einem Punkt, wo der Menschheit, wenn man die Länge des Spiels insgesamt betrachtet, möglicherweise nicht mehr allzu viele Züge zur Verfügung stehen und sie sich selber Schachmatt setzt.

Was aber ist es, was die Menschheit dieses Spiel des Lebens möglicherweise verlieren lässt? Schon lange strebte der Mensch nach Reichtum, nach Besitz, wohl wissend, dass man am Ende eines Lebens nichts behalten kann. Im Moment besitzt ein kleiner Teil der Menschheit einen Großteil des menschlichen Reichtums und um diesen Reichtum zu vermehren wird der natürliche Reichtum dieser Erde, ihr natürliches Gleichgewicht der Natur zerstört.

Eine Tragik und es liest sich auch in meinen kurzen Zeilen, wie ein Romanabsatz, weit weg von einem selbst. Leider ist es nicht so, wir alle sind mitten drin, in diesem Roman der sich Realität nennt.

Es ist aber nicht nur die Zerstörung des Planeten, auf dem wir Leben, es gibt auch Veränderungen in einem selbst. Viele Menschen fühlen sich überfordert, täglich erreichen viele Meldungen, Information das menschliche Gehirn, dieses versucht all die Informationen zu verarbeiten zu filtern, in Schubladen zu packen, wegzuschließen, in Handlungen umzusetzen. Möglicherweise hat all der Info Overload Auswirkungen auf die menschlichen Beziehungen, bereitet schlaflose Nächte, lässt Angsterkrankungen entstehen, Menschen in Extreme abgleiten. Jeder Mensch entwickelt in seinem Gehirn eine eigene Strategie mit all den Informationen und Herausforderungen umzugehen, sich zu schützen.

Zum Beginn der Corona Pandemie, als das Leben für einen Moment ruhiger war und in Deutschland die Sonne lachte, die Menschen Zeit hatten füreinander, konnte ich für einen Moment eine Art Gelassenheit bei meinen Mitmenschen spüren. Beziehungspartner hatten mehr Zeit miteinander. Normalerweise führt so eine Zeit zu einer höheren Geburtenrate, aber die ist seltsamerweise nicht eingetreten, andererseits stiegen die Nutzerzahlen bei Pornhub, einem der größten Pornofilmanbieter im Netz.

Insbesondere das Internet und das Smartphone sorgen dafür, dass im Grunde minütlich Informationen mich erreichen, mein Blick nicht nach vorn, sondern nach unten gerichtet ist.

Ich habe festgestellt, dass ich mit dem Smartphone den „Genuss“ verliere, denn Genuss erfordert Konzentration und Aufmerksamkeit und dieses ist mit einem Smartphone schwer möglich. Multitasking ist kein menschlicher Wesenszug.

Natürlich ist so ein Smartphone nicht der Grund für alle menschlichen Missstände und Probleme, aber es ist eine Art Synonym. Es verspricht Effizienz und nimmt letztlich den Genuss und mit ihm die Zeit dafür, ein Paradoxon. Und so taumelt der Mensch etwas unbeholfen in all seinen unterschiedlichen Rollenmustern durch diese herausfordernde Zeit, hat so viele Fragen und keine Zeit sie zu beantworten. So verliert sich der Einzelne in Prokrastination, man schiebt Dinge auf, in Beziehungen, im Alltag, bei den persönlichen Ängsten. Ältere werden sich erinnern, wie einfach es war sich früher zu verabreden.

Es ist ein wenig, wie auf der berühmten Titanic, wo zu Anfang Niemand in die Rettungsboote wollte und sie halbleer zu Wasser gelassen wurden, oder wie bei dem Kind, was sein Zimmer aufräumen soll und dieses so chaotisch aussieht, dass es keinen Anfang findet und wie erstarrt den Haufen anschaut. Dieses Verhalten ist menschlich. Bei der Titanic Katastrophe gab es Menschen, die als erstes den Mut fassten, die rettenden Boote zu besteigen. Im Kinderzimmer reicht oft eine helfende Hand, um einen Anfang zu ermöglichen.

Es erfordert also nach meiner Erkenntnis Mut, Zusammenarbeit und Handeln, Situation zu meistern.

Die Anlagen für solche Schritte sind im Menschen vorhanden. Es ist, wie an einer Ampel, die dauerhaft rot bleibt und eine größere Fußgängergruppe wartet, irgendwann nutzt Einer den unterbrochenen Verkehrsfluss um die Straße zu überqueren und schon folgen ihm Weitere, wenn denn nicht alle auf das Smartphone starren und es gar nicht mitbekommen. Sollte der Mensch sich selbst retten wollen, darf er als erstes seine Situation erkennen und reflektieren, analysieren und den Mut aufbringen Handlungen zu entwickeln, welche seine Situation verbessern, das erfordert neben Mut oft auch eine gute Portion Kreativität und Mitmenschen. Dogmatisches, konservatives Verharren auf alten Standpunkten, wie im Fall der Titanic, sie sei doch unsinkbar, führen dem Menschen letztendlich zu einem nicht erwünschten Ziel, dem Untergang.

Ein Gedanke zu “Sind wir noch zu retten?

  1. Ich las vor kurzem einen Kommentar in punkto Pandemie – sinngemäß: „Hat jemand eine Zeitmaschine und bringt mich zurück nach 2020.“. – Geht mir ähnlich. Nicht alles in diesen pandemischen Zeiten war schlecht, und auch wenn jetzt so langsam wieder alles auf Anfang bzw. auf Vorher geht, scheint nicht nur bei mir die Erkenntnis hängengeblieben zu sein, dass da noch etwas anderes möglich ist, dass weniger dann letztlich doch sogar viel mehr sein kann. – Ob uns das allerdings retten wird, da muss ich schon extremst positiv denken.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s